PREISTRÄGERKONZERT
LATEINAMERIKA - KOMPOSITIONSWETTBEWERB
| Datum: | 15.02.2005 |
| Beginn: | 19:00 |
| Ort: | SEAD, Schallmooser Hptstr. 48, 5020 Salzburg |
| Interpreten | ||
| · | ASPEKTE New Music Ensemble | |
| · | Kai Röhrig | |
| · | Linda Wetherill, Flöte | |
| · | Yvonne Zehner, Gitarre | |
| Programm | ||
| · | R. C. de Souza |
Serenata
für Flöte und Streichquartett, UA |
| · | M. Escalona-Mijares |
Cinco transfi guraciones llanas
für Flöte solo, UA |
| · | J. Sad |
La vuelta hacia arriba del aire de la mañana
für Flöte und Elektronik |
| · | V. I. Cárdenas |
Son del Pueblo
für Flöte und Streichquartett, UA |
| · | F. Maglia |
El otro Amanecer
für Flöte und Gitarre, UA |
| · | S. Kan-No |
Latin Molto Follemente
für Flöte und Streichquartett, UA |
| Kai Röhrig |
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wurde im Jahr 1971 in Oberhausen geboren. Er studierte Orchesterdirigieren an der Hochschule Mozarteum in der Klasse von Michael Gielen und Dennis Russell Davies und absol-vierte 1998 die zweite Diplomprüfung mit Auszeichnung. Nach dem Studium arbeitete Kai Röhrig zunächst als Repetitor und musikalischer Assistent am Festspielhaus in Baden-Baden. Von 1999 bis 2002 wirkte er als zweiter Kapellmeister und Solorepetitor am Landestheater in Salzburg, seit der Spielzeit 2002/03 ist er dort als koordinierter erster Kapellmeister tätig. Mit dem Aspekte New Music Ensemble arbeitet Kai Röhrig seit dem Jahr 2000 als ständiger Gastdirigent zusammen. Von 1996-2001 verband Kai Röhrig eine enge Zusammenarbeit mit dem Landesjugendorchester von Nordrhein-Westfalen. Außerdem leitete er in der vergangenen Jahren Konzerte mit dem Sin-fonieorchester Oberhausen, mit den Nürnberger Symphonikern, mit der Staatsphilharmonie Rhein-land-Pfalz, mit dem Slowenischen Radio-Sinfonieorchester, mit dem Schweizer Orchester I Sinfo-nietti 01, mit der Salzburger Kammerphilharmonie und mit dem Österreichischen Ensemble für Neue Musik (OENM). In der Berliner Philharmonie dirigierte er im Rahmen der Reihe Debüt im Deutschland Radio im Mai 1999 ein Konzert mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin. Im März 2003 gab er mit dem Orchester I Sinfonietti 01 sein Debüt in der Tonhalle Zürich. Als musikalischer Assistent war Kai Röhrig bei den Bayreuther und Salzburger Festspielen tätig. Im Sommer 1999 wirkte er als Assistent von Bernard Haitink beim European Union Youth Orchest-ra und arbeitete als musikalischer Assistent von Claudio Abbado bei den Salzburger Osterfestspie-len 2001 und 2002. Im Sommer 2003 arbeitete er als Assistent von Markus Stenz bei den Salzbur-ger Festspielen an der Uraufführung von Henzes LUpupa mit. Kai Röhrig ist Preisträger der In-ternationalen Stiftung Mozarteum, die ihn im Oktober 1998 mit der Bernhard-Paumgartner-Medaille auszeichnete. |
| Linda Wetherill, Flöte |
wurde in Milwaukee, USA, geboren. Sie machte ihren Abschluss an der East-man School of Music und vervollständigte ihre Studien an der SUNY Stony Brook. Als Solistin und Kulturbotschafterin unternahm sie Reisen durch Europa, Asien und Nordafrika, wo sie mit Kompo-nisten zusammenarbeitete und die traditionellen Musiken untersuchte. Vier Jahre lang war sie Pro-fessorin in der Türkei, wo sie Konferenzen und Konzerte an den führenden Universitäten und Kon-servatorien des Landes gab. Sie war Mitbegründerin der Festivals zeitgenössischer Musik in Istan-bul im Jahr 1990. Auf ihren diplomatischen Reisen durch den Mittleren Osten war Linda die erste Frau, die öffentliche Konzerte für gemischtes Publikum in Saudiarabien gab. Sie war Soloflötistin des IRCAM in Paris und des Frankfurter Radiosinfonieorchesters. Gegenwärtig ist sie Erste Flötis-tin der New York Philomusica. Sie gewann die NY´s East and West Artist Competition. Vor kurzem hat sie ihr Erstes Konzert und eine Tournee der Meisterklassen in China unternommen. Sie hat Aufnahmen für die Labels Deutsche Grammophon und Jecklin Records, für Radio- und TV-Sender der Vereinigten Staaten, Europas und Asiens gemacht. |
| Yvonne Zehner, Gitarre |
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wurde 1977 in Salzburg geboren. Ihren ersten Gitarre unterricht erhielt sie im Alter von 12 Jahren von H. Reiske in Passau, 1993 begann sie ihr Studium an der Universität Mo-zarteum zuerst bei Matthias Seidel, 1997 - 2001 in der Klasse von Elliot Fisk und Joaquin Clerch. Weiters arbeitete sie mit Jürgen Hübscher (alte Musik), Oswald Sallaberger (Neue Musik) und Rainer Schmidt (Kammermusik). 1997 studierte sie bei Abel Carlevaro in Montevideo, 1998 2001 machte sie Sommerkurse bei Oscar Ghiglia an der Academia musicale Chigiana in Siena und im Wintersemester 99/00 in Rio de Janeiro mit Nicolas de Souza Barros. Seit April 2001 ist sie Do-zentin für Gitarre an der Universität Passau. Zahlreiche Konzerte in Italien, Österreich, Deutsch-land, der Schweiz und Brasilien. |
| R. C. de Souza |
| (São Paulo, Brasilien, 1952). Kompositionsstudium bei Olivier Toni und Claudio Santoro, Studium der elektroakustischen Musik bei Conrado Silva, Diplomabschluss an der Universität von São Pau-lo, Promotion in Komposition bei Russell Pinkston an der University of Texas. Preise in Brasilien: Prêmio Sarney Compositor do Ano 1988 (Komponist des Jahres) für Galáxias (Werk für Klavier und Orchester); Bolsa Vitae de Composição für den Zyklus Tristes Trópicos (Traurige Tropen). Zwischen 1984 und 1996 mitverantwortlicher Leiter des traditionsreichen südamerikanischen Fes-tivals der neuen Musik Música Nova de Santos e São Paulo; 1991: Konzertreise mit Vorträgen an 10 nordamerikanisichen Universitäten (Präsentation von Tristes Trópicos); 1992: Vertretung Brasiliens beim Festival Sound Celebration II (organisiert vom Louisville Orchester); 1996: Teil-nahme an dem vom American Composers Orchestra veranstalteten Festival der brasilianischen Gegenwartsmusik mit der Uraufführung des Werkes Chiaroscuro (Carnegie-Hall, New York); stell-vertretender Vorsitzender (für Amerika) der ICMA (Associação Internacional de Computação e Música), gegenwärtig Professor für Komposition und Direktor des Forschungszentrums Lacomus (Forschungszentrum für elektronische Musik) an der Universität von Paraná. |
| Serenata für Flöte und Streichquartett, UA |
| ist ein populäres Musikgenre, das in manchen ländlichen Gegenden Brasiliens fortlebt. Im Gesangsstil der Serenata singen zwei Sänger Melodieverläufe in parallelen Terzen und werden dabei von Gitarren begleitet. Im sog. Choro, dem instrumentalen Gegenstück des urbanen Brasi-lien, ist die Flöte das Grundinstrument; hinzu kommen Gitarren, Streicher, Mandolinen, Klarinetten und Saxophone. Dieser Musikstil erfordert höchste Virtuosität beim Improvisieren über vorgegebe-ne Harmonieverläufe und bekannte Melodien. Das Ergebnis lässt sich mit der kontrapunktischen Komplexität des traditionellen nordamerikanischen Jazz vergleichen. Die Streichquartette von Vil-la-Lobos zeugen vom Einfluss der Serenata-choro, die eine wesentliche Inspirationsquelle für die brasilianische Kunstmusik darstellt. Die Serenata für Flöte und Streichquartett setzt diese Traditi-on fort und verbindet den Improvisationscharakter dieses Genres mit der rhapsodischen Fragmen-tierung des postmodernen Diskurses. Die Gegenüberstellung von Kontrastfolgen im ersten und dritten Satz dieser Serenata ist eines der formalen Charakteristika des Choro. Darin werden dichten Blöcken mit hoher rhythmischer Energie lyrische Abschnitte in kontrapunktischem Stil gegenübergestellt. Obwohl keine volkstümlichen Me-lodien verwendet werden, entwickeln sich die wichtigsten Themen aus Arabesken, die im Choro als Ausschmückung vorkommen. Der zweite Satz geht vom Prinzip der barocken Passacaglia aus: einer Leitmelodie, die von ver-schiedenen Instrumenten wieder aufgenommen wird, steht ein rhythmisches Pizzicato- und Stac-cato-Gefüge gegenüber. Der Rückgriff auf eine barocke Form versinnbildlicht das Fortleben von Elementen der Kolonialzeit in der zeitgenössischen brasilianischen Musikkultur. (R.C.) |
| M. Escalona-Mijares |
| (Venezuela, 1976). Er beginnt sein Studium in seinem Heimatland, wo er seinen ersten Abschluss bei Rafael Saavedra und Gerardo Gerulewicz macht. José Manuel López-López und Paul Méfano laden ihn ein, seine Studien in Paris fortzusetzen, wo er seit dem Jahr 2000 lebt. Unterricht in Komposition erhielt er von José Manuel López-López, Paul Méfano, Betsy Jolas, Ser-gio Ortega, Diogenes Rivas, Antonio Pileggi, Jacopo Baboni-Schilingi, Hans Tutschku und Philippe Leroux, weiters studierte er Komposition bei Ivan Fedele am Nationalkonservatorium von Straß-burg, Musikinformatik am Zentrum für Komposition Iannis Xenakis (CCMIX) und elektroakustische Komposition bei Christine Groult an der Musikschule von Pantin, wo er den Abschlusspreis der SACEM erhielt. Er bekam Stipendien in Venezuela und Frankreich. Seine Stücke wurden auf Fes-tivals in mehreren Ländern Amerikas und Europas aufgeführt. |
| Cinco transfi guraciones llanas für Flöte solo, UA |
| ist ein Zyklus von Stücken, die als Hommage an fünf berühmte venezolanische Komponisten konzipiert sind. Diese Komponisten spielen eine wichtige Rolle in meinem kulturellen Erbe. Ausgehend von dieser «Aura», die jeder einzelne von ihnen in seinen Stücken ausstrahlt, arbeite ich einen musikalischen Metatext aus, in welchem ich ihre Har-monien, Melodien und Rhythmen verfremde und mich ihnen ganz widme, aber auch damit in Dia-log trete. Das Stück besteht aus 5 Teilen, und zwar: I. «Conticinio» ausgehend von «Conticinio» (Walzer) von Laudelino Mejias; II. «Danza» ausge-hend von «Barlovento» (merengue) von Eduardo Serrano; III. «Aroma de Mujer y Flor» ausge-hend von «Dama Antañona» (Walzer-Lied) von Francisco De Paula Aguirre; IV. «Lejanía» aus-gehend von «Lejanía» (pasillo) von Luis Felipe Ramón y Rivera; V. «Por el Camino» ausgehend von «Por el Camino» (joropo-tonada) von José Reyna. Dieses Stück ist eine Hommage an sie (die Komponisten), mein Volk, meine Musik (die wunderba-re populäre Musik Venezuelas) und all jene schönen Empfindungen, die einem mit der Geburt in diesem wunderbaren Land, mi Venezuela meinem Venezuela - mitgegeben werden. (M.E.) |
| J. Sad |
| (Buenos Aires, 1966). Er studierte Komposition an der Facultad de Artes y Ciencias Musicales der Universidad Católica Argentina, zeitgenössische Techniken und Musikanalyse bei Francisco Kröpfl sowie elektroakustische Komposition und Musiksemiologie an der musikalischen Fakultät der Uni-versität von Montreal (Kanada) unter der Leitung von Marcelle Deschênes und Jean Jacques Nat-tiez. Er hat mehrere Stipendien und Preise erhalten und seine Werke wurden in Konzerten und auf Festivals in verschiedenen Ländern Amerikas, Europas und Asiens aufgeführt. Seit 1995 leitet der das Colectivo de Creación Sonora und seit 1997 ist er der Leiter des Instituto de Investigación Experimental en Sonido y Música por Medios Digitales an der Fakultät für Informatik der Universi-tät Morón. Außerdem ist er Professor des Ateliers für elektroakustische Musik am Konservatorium Alberto Ginastera. |
| La vuelta hacia arriba del aire de la mañana für Flöte und Elektronik |
| Es handelt sich um ein Stück, das in seiner Gesamtheit auf den Gesten und Klängen beruht, die Juliana Moreno, eine auf zeitgenössi-sches und folkloristisches Repertoire spezialisierte Flötistin, in zahlreichen Werken verwendet, die sowohl auf Improvisation und Interaktion mit live electronics basieren als auch auf ihrer Art und Weise, sich der argentinischen Folklore-Musik anzunähern. Der Titel des Stücks ist das Ergebnis eines Spiels aus Ableitungen: Jorge Luis Borges übersetzt in seinem Buch Sieben Nächte O. Spenglers Der Untergang des Abendlandes mit La ida hacia abajo de la tierra de la tarde. Das war der Titel des ersten Stückes für Flöte und live electronics das ich gemeinsam mit Juliana Mo-reno komponierte. La vuelta hacia arriba del aire de la mañana stellt nicht nur die Inversion des Titels sondern auch die Inversion der verwendeten kompositorischen Techniken dar, aber auch die Aneignung eines Repertoires musikalischer Gesten, die von der Improvisation her stammen, vom Standpunkt des Schreibens aus. (J.S.) |
| V. I. Cárdenas |
| (Guadalajara, Mexiko, 1978). Er studierte Flöte an der Escuela Nacional de Música der Universi-dad Autónoma von Mexiko unter anderem bei Julieta Cedillo Shigenori Kudo, András Andorjan, Patrice Boquillon und Robert Dick. Gleichzeitig studierte er Komposition bei Humberto Hernández Medrano und danach bei Mario la Vista, Carlos Sánchez-Gutiérrez, Theo Lovendie, Cornelius Schwer und Helmut Lachenmann. Gegenwärtig unterrichtet er an der Escuela Superior de Música von Matamoros, Tamaulipas. Er hat bereits verschiedene nationale Preise für seine Kompositio-nen erhalten. |
| Son del Pueblo für Flöte und Streichquartett, UA |
| Le han cantado a Veracruz, a San Luis y a Tamaulipas, con gusto le canto a Hidalgo ... formuliert auf Basis eines rhythmischen Derivats des traditionellen Huapango Hu-asteco 3322(2), wird dieses Muster im Verlauf des Stücks wie ein sequenzielles, isorhythmisches Bild behandelt. Im Verlauf dieses Stücks ist der Hauch einer Kombination von ein wenig improvi-satorischen Elementen zu spüren, die sich auf diese Freiheit und Losgelöstheit der Folklore be-ziehen, kombiniert mit dem traditionellen rhythmischen Geist von Bewegung und Lebendigkeit des Huapango. Es ist eine nostalgische Referenz auf dieses weite Feld der Folklore, das so voll ist von allen Gerüchen, Farben und Geschmäckern. In einem Zwischenabschnitt werden die Vokale des Wortes huapango benutzt, um eine Andeutung von onomatopoetischem Gemurmel zu geben. Der Name stammt von einer traditionellen Gruppe, die jene Musik interpretiert, die aus der Hu-asteca Hidalguense in Mexiko stammt. (V.I.) |
| F. Maglia |
| (Bahía Blanca, Argentinien, 1954). Studierte Gitarren Pädagogik am Konservatorium von Bahía Blanca. Außerdem studierte er Mathematik an der Universidad Nacional del Sur. Er nahm teil an vielen Post-Graduate-Kursen und Seminaren für Gitarre (M. A. Girollet, E. Fernández, A. Pierri, L. Suárez u. a. sowohl in Argentinien als auch im Ausland); für Alte Musik (M. Videla und A. Lechner); für Musikanalyse und Komposition (E. Cipolla, C. Arditti, L. Lombardi F. Donatoni, G. Manzoni, L. Nono und P. Boulez); für Computermusik am Kulturzentrum Recoleta in Buenos Aires und für afri-kanische Musik am Churchill College in England. Seit 1994 ist er Professor am nationalen Musik-konservatorium (IUNA) in Buenos Aires, wo er Ringvorlesungen von Gitarristen und Komponisten aus dem In- und Ausland organisiert hat. Am Konservatorium A. Ginastera in Morón ist er Leiter des Instituts für Kammermusik, organisiert Workshops und entwirft neue Fächer. Er hat zahlreiche Konzerte gegeben und bereits viele Ehrungen und Preise in verschiedenen Ländern Amerikas und Europas erhalten. Seine Werke wurden ebenfalls auf beiden Kontinenten uraufgeführt. |
| El otro Amanecer für Flöte und Gitarre, UA |
| ist eine Synthese zahlreicher Achsen auf der Suche nach einer expressiven Einheit: Alte latein-amerikanische Zivilisationen versus globalisierte Modernität; Sühnegesänge versus hoch entwi-ckelte Instrumente europäischer Tradition; rituelle Ausdrucksformen versus Konzertmusik; natürli-che und spontane Äußerungen versus verfeinerte und erweiterte instrumentale Techniken schaf-fen ein Universum, das für sich selbst Originalität anstrebt, das aber auch in der Art einer lang-samen Destillation diverser Fermente unterschiedlichster Herkunft neu erfunden ist. Das Stück basiert hauptsächlich auf zwei Gesängen, die aus der Arbeit Síntesis de la Etnomúsica en América Latina von Isabel ARETZ stammen, und zwar aus dem 2. Teil (La música Pre-hispánica). Der erste Gesang, 1942 von I. Aretz in Dollinco, Chile, aufgenommen, ist ein Instru-mentalstück für Trutruka Eluon, das typische Instrument der Mapuche - Gemeinschaft, die im Sü-den Argentiniens und Chiles lebt. Es ist aus einem langen Colihue-Stamm gefertigt, mit Darmhaut gefüttert und hat ein Kuhhorn am unteren Ende, das zur Vergrößerung des Resonanzkörpers dient. Dieses Instrument wird zu unterschiedlichen Anlässen gespielt: Am Día de la trilla (Dresch-tag), zu Nguillatún (großes Fest gemeinsamer Fürbitten) oder bei Begräbniszeremonien. Der zwei-te ist ein Vokalgesang und stammt von den zur Familie der Nahuatl gehörigen Coras, den ur-sprünglichen Bewohnern der Bergkette Sierra de Nayarit, die an die Sierra Madre in Mexiko an-schließt. Mit der Rekopilation war Arturo Chamorro im Jahr 1952 betraut. Das Stück ist ein Ernte-gesang und wird normalerweise von einem Musikbogen-Ostinato begleitet. Die Kompositionstechniken reflektieren die Synthese der oben genannten Welten, indem verschie-dene Vorgänge des Vorbewusstseins (Korpus kultureller Reflexe, die wir uns im Laufe unseres Lebens aneignen) mit den schöpferischen oder erzeugenden Matrizes eines jeden einzelnen Ge-sanges verschmelzen, wie zum Beispiel: Repetitive rhythmisch-melodische Zellen oder Entwürfe; charakteristische intervallische Forman-ten; repräsentative Ornamente der entsprechenden Praktiken wie Glissandi, multiple Appoggiatu-ren, Triller und Mordente unterschiedlicher Natur; dynamische Nuancierungen mit sehr intensiver Übergangsdynamik. stete Wiederholung über Noten oder Äußerungen primärer Hierarchien; Ver-wendung melodischer Modi mit Höhen, die an jeden einzelnen dieser Gesänge anschließen. Zum Schluss möchte ich die Symbolisierung eines eigenen Lateinamerikanismus in diesem Werk her-vorheben, der weder Modernität und Universalität zurückweist noch die alten Kulturen ignoriert oder vergisst, die diese Identität in einer Weise definieren, die keinen Zweifel und keine Diskussio-nen zulässt. (F.M.) |
| S. Kan-No |
| (Geboren 1959 in Fikishima, Japan), Japanischer Komponist und Dirigent. Er studierte Musiktheo-rie, Klavier, Komposition, Dirigieren, Klavier und Musikwissenschaft in Fukushima, Tokio, Stuttgart, Ludwigsburg und Frankfurt bei den Professoren Shimazu, Nishimura, Österreicher, Bernstein, La-chenmann, Rilling und Zender. Er hat 28 Preise für seine Kompositionen und seine Arbeit als Diri-gent sowie 15 Stipendien erhalten. Er hat bei großen Komponisten Privatunterricht erhalten und an deren Seminaren teilgenommen. Er hat Einladungen zu 12 Festivals für Neue Musik und zur Teil-nahme an 12 Tournee-Projekten erhalten. Sein Repertoire besteht aus ca. 100 Opern und 500 Konzertstücken. Allein in Europa sind 217 seiner Werke mit WVE-Nummer registriert, außerdem hat er 10 elektroakustische Werke, Kinomusik und über 100 Arrangements geschaffen. |
| Latin Molto Follemente für Flöte und Streichquartett, UA |
| Bevor ich die Flötenstimme dieses Werks komponierte, war der Teil für das Streichquartett schon fertig. Flöte und Streicher werden eigentlich völlig unabhängig voneinander eingesetzt. Die Flöte ist nicht schwer zu verstehen: Es handelt sich um einen Tango-Charleston, der mit lateinamerikani-schem Esprit angereichert ist. Die Streicher spielen ein Molto Follemente, allerdings ebenfalls ge-prägt von lateinamerikanischem Temperament. Dann werden diese beiden unterschiedlichen Ele-mente zusammengeführt. Der nächste Teil besteht aus einem Glissando der Streicher. Im dritten Teil werden nur Klangfarben aus den Rhythmen erzeugt, danach erfolgt eine Komposition der Far-ben durch Flageoletts und schließlich wieder Glissandi für zwei Streicher sowie teilweise - Flöte. Es finden keine Tempo- und Taktwechsel statt. Das Stück dauert ca. 15 Minuten. |
wurde in Milwaukee, USA, geboren. Sie machte ihren Abschluss an der East-man School of Music und vervollständigte ihre Studien an der SUNY Stony Brook. Als Solistin und Kulturbotschafterin unternahm sie Reisen durch Europa, Asien und Nordafrika, wo sie mit Kompo-nisten zusammenarbeitete und die traditionellen Musiken untersuchte. Vier Jahre lang war sie Pro-fessorin in der Türkei, wo sie Konferenzen und Konzerte an den führenden Universitäten und Kon-servatorien des Landes gab. Sie war Mitbegründerin der Festivals zeitgenössischer Musik in Istan-bul im Jahr 1990. Auf ihren diplomatischen Reisen durch den Mittleren Osten war Linda die erste Frau, die öffentliche Konzerte für gemischtes Publikum in Saudiarabien gab. Sie war Soloflötistin des IRCAM in Paris und des Frankfurter Radiosinfonieorchesters. Gegenwärtig ist sie Erste Flötis-tin der New York Philomusica. Sie gewann die NY´s East and West Artist Competition. Vor kurzem hat sie ihr Erstes Konzert und eine Tournee der Meisterklassen in China unternommen. Sie hat Aufnahmen für die Labels Deutsche Grammophon und Jecklin Records, für Radio- und TV-Sender der Vereinigten Staaten, Europas und Asiens gemacht.