TERRY RILEY, ANDOR LOSONCZY, ALFRED MAULTASCH

Datum: 16.02.2005
Beginn: 19:00
Ort: SEAD, Schallmooser Hptstr. 48, 5020 Salzburg
Interpreten
· ASPEKTE New Music Ensemble
· Kai Röhrig
· Linda Wetherill, Flöte
· stadler quartett des oenm
· Rizumu Sugishita, Schlagwerk
· Theodor Burkali, Klarinette
· Andor Losonczy, Klavier
Programm
· Terry Riley “Ritmos und Melos” 
für Violine, Klavier und Percussion
· A. Losonczy MAGIA 
für Violine und Klavier (UA der Neufassung)
· A. Maultasch „Streichquartett“ UA 
· Terry Riley „In C“ (1964) 
Kai Röhrig
wurde im Jahr 1971 in Oberhausen geboren. Er studierte Orchesterdirigieren an der Hochschule Mozarteum in der Klasse von Michael Gielen und Dennis Russell Davies und absol-vierte 1998 die zweite Diplomprüfung mit Auszeichnung. Nach dem Studium arbeitete Kai Röhrig zunächst als Repetitor und musikalischer Assistent am Festspielhaus in Baden-Baden. Von 1999 bis 2002 wirkte er als zweiter Kapellmeister und Solorepetitor am Landestheater in Salzburg, seit der Spielzeit 2002/03 ist er dort als koordinierter erster Kapellmeister tätig. Mit dem „Aspekte New Music Ensemble“ arbeitet Kai Röhrig seit dem Jahr 2000 als ständiger Gastdirigent zusammen.
Von 1996-2001 verband Kai Röhrig eine enge Zusammenarbeit mit dem Landesjugendorchester von Nordrhein-Westfalen. Außerdem leitete er in der vergangenen Jahren Konzerte mit dem Sin-fonieorchester Oberhausen, mit den Nürnberger Symphonikern, mit der Staatsphilharmonie Rhein-land-Pfalz, mit dem Slowenischen Radio-Sinfonieorchester, mit dem Schweizer Orchester „I Sinfo-nietti 01“, mit der Salzburger Kammerphilharmonie und mit dem „Österreichischen Ensemble für Neue Musik (OENM)“. In der Berliner Philharmonie dirigierte er im Rahmen der Reihe „Debüt im Deutschland Radio“ im Mai 1999 ein Konzert mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin. Im März 2003 gab er mit dem Orchester „I Sinfonietti 01“ sein Debüt in der Tonhalle Zürich.
Als musikalischer Assistent war Kai Röhrig bei den Bayreuther und Salzburger Festspielen tätig. Im Sommer 1999 wirkte er als Assistent von Bernard Haitink beim European Union Youth Orchest-ra und arbeitete als musikalischer Assistent von Claudio Abbado bei den Salzburger Osterfestspie-len 2001 und 2002. Im Sommer 2003 arbeitete er als Assistent von Markus Stenz bei den Salzbur-ger Festspielen an der Uraufführung von Henzes „L’Upupa“ mit. Kai Röhrig ist Preisträger der In-ternationalen Stiftung Mozarteum, die ihn im Oktober 1998 mit der „Bernhard-Paumgartner-Medaille“ auszeichnete.
Linda Wetherill, Flöte
wurde in Milwaukee, USA, geboren. Sie machte ihren Abschluss an der East-man School of Music und vervollständigte ihre Studien an der SUNY Stony Brook. Als Solistin und Kulturbotschafterin unternahm sie Reisen durch Europa, Asien und Nordafrika, wo sie mit Kompo-nisten zusammenarbeitete und die traditionellen Musiken untersuchte. Vier Jahre lang war sie Pro-fessorin in der Türkei, wo sie Konferenzen und Konzerte an den führenden Universitäten und Kon-servatorien des Landes gab. Sie war Mitbegründerin der Festivals zeitgenössischer Musik in Istan-bul im Jahr 1990. Auf ihren diplomatischen Reisen durch den Mittleren Osten war Linda die erste Frau, die öffentliche Konzerte für gemischtes Publikum in Saudiarabien gab. Sie war Soloflötistin des IRCAM in Paris und des Frankfurter Radiosinfonieorchesters. Gegenwärtig ist sie Erste Flötis-tin der New York Philomusica. Sie gewann die NY´s East and West Artist Competition. Vor kurzem hat sie ihr Erstes Konzert und eine Tournee der Meisterklassen in China unternommen. Sie hat Aufnahmen für die Labels Deutsche Grammophon und Jecklin Records, für Radio- und TV-Sender der Vereinigten Staaten, Europas und Asiens gemacht.
stadler quartett des oenm
Aus dem Streicherkern des österreichischen ensembles für neue musik (oenm) gründete 1992 der Primarius des Ensembles, Frank Stadler, zusammen mit dem Geiger Richard Flür, dem Bratschisten Predrag Katanic und dem Cellisten Peter Sigl das heute international renommierte stadler quartett. Im Jahr 1999 verließ Richard Flür das Ensemble, an seiner Stelle spielt heute der Geiger Izso Bajusz. Seit seiner Gründung ist für die vier Musiker neben der Erarbeitung großer Werke der traditionellen Streichquartettliteratur vor allem die intensive Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Kompositionen von ausschlaggebender Bedeutung. Durch bis dato 117 Uraufführungen, von denen viele dem stadler quartett gewidmet sind, und die Erarbeitung zahlreicher Kompositionen aus dem Standardrepertoire des 20. und 21. Jahrhunderts entwickelte sich im Lauf der Zeit ein äußerst farbiges und vor allem exklusives Repertoire. Ein Spezialgebiet des Quartetts stellt die langjährige intensive theoretische und praktische Auseinandersetzung mit "mikrotonaler Musik" dar. Der hohe Standard in diesem Bereich ist sicher weltweit einzigartig.

Ein Höhepunkt in der Geschichte des Quartetts war die Realisierung des Helikopter Streichquartetts von Karl Heinz Stockhausen im Rahmen der Salzburger Festspiele 2003.

Konzertreisen führten das Ensemble nach Holland, Tschechien, Deutschland, Slowenien, Norwegen, Italien, Japan, Korea und Brasilien.

1998 spielte das Quartett bei der Firma "Balance" eine CD mit mikrotonaler Musik ein, außerdem existieren mehrere Rundfunkmitschnitte von Konzerten.

Im Jahr 2004 standen neben Konzertreisen auch ein Zyklus in der Heimatstadt Salzburg und ein Quartettabend mit Dietrich Fischer Dieskau als Sprecher bei den Salzburger Festspielen auf dem Programm.

Terry Riley
Geboren 1935 im kalifornischen Colfax als Sohn eines irisch-stämmigen Eisenbahners und einer Mutter mit italienischen Vorfahren. Ab 1955 begann er seine Studien am San Francisco State College bei Robert Erickson. Seine Studien verdiente er sich als Ragtime Pianist in den Bars der Stadt. Zusammen mit Loren Rush und Pauline Oliveros gründet er 1958 eine Improvisationsgruppe. 1960 wird er Kompositionsstudent an der University of California in Berkeley und lernt La Monte Young in der Klasse von Seymour Shifrin. Die Begegnung, Freundschaft und Zusammenarbeit mit Young bestimmte seinen weiteren musikalischen Weg. Er wirkte in Youngs „Theater of Eternal Music“ mit und arbeitete ähnlich wie Young auch mit lange ausgehaltenen Tönen: String Quartet 1960. Auch das Streichtrio von 1961 lotet noch den von La Monte Young eingeschlagenen Weg der lange ausgehaltenen Töne aus. Seine ersten Erfahrungen und Experimente mit Tonbandgeräten 1960 und 1961 und sein Arbeiten mit Tonbandschleifen (loops) führten dann zu repetitiverer Musik.
Ab Februar 1962 bis Anfang 1964 bereist Riley Europa und arbeitet dabei in erster Linie als Pianist und Saxophonist, in Frankreich arbeitet er mit einer Theatergruppe zusammen, in Paris arbeitet er in den Studios des ORTF und vertieft seine Bandschleifen- und Phasenverschiebungstechnik
Zurück in San Francisco schreibt er im Frühjahr 1964 sein revolutionäres „IN C“. Die Uraufführung fand am 4. November 1964 in San Francisco statt. Es wird heute neben dem „composition #7“ von La Monte Young aus dem Jahr 1961 als der Ausgangspunkt jener Musikrichtung gewertet, die wir heute als „Minimal Music“ kennen.

Den Einfluss dieser Werke spürt man in allen Werken von Komponisten wie Steve Reich, Philip Glass oder auch John Adams aber auch von Rock-Musik Gruppen wie The Who, The Soft Machine, Tangerine Dream, Curved Air und viele andere. Rileys hypnotische, vielschichtige, polymetrische, leuchtend orchestrierte und von östlicher Musik beeinflussten Improvisationen und Kompositionen waren der Ausgangspunkt für das Interesse an neuer Tonalität.
Nach „In C“ und einem längeren Aufenthalt in Mexiko kam Riley nach New York und erneuerte seine Zusammenarbeit mit La Monte Young. 64 bis 67 realisierte er hauptsächlich Tonbandstücke. Ab 1967 wurden Keyboard Instrumente wieder wichtiger in Rileys Komposition, eines der schönsten Beispiele aus dieser Zeit ist „A Rainbow in Curved Air“, ein Werk das ähnlich wie „in C“ mit notierten Modellen arbeitet. In den späten 60er Jahren bis 1975 begann Riley mit elektronischen Keyboard und Tonbandschleifen zu improvisieren und machte mit „Persian Surgery Dervishes“ sowie „Rising Moonshine Dervishes“ und „Descending Moonshine Dervishes“ viele höchst erfolgreiche Tourneen durch die USA und Europa.
1970 wurde Riley Schüler des Nordindischen Raga Sängers Pandit Pran Nath und studierte mit ihm in Indien. In den folgenden 26 Jahren trat er häufig mit Pandit Pran Nath als Tempura- oder Tabla- oder auch Gesangsbegleiter auf.
Ab den späten 70er Jahren began eine fruchtbare Zusammenabreit mit dem Kronos Quartet: es entstanden 13 Streichquartetten, ein Quintett, „Crows Rosary“ und ein Konzert für Streichquartett „the Sands“ das bei den Salzburger Festspielen uraufgeführt wurde.
Rileys erstes Orchesterwerk „Jade Palace“ war ein Auftrag der Carnegie Hall für deren 100 Jahr Feier 1990/91 und wurde von dem Saint Louis Symphony Orchstra und Leonard Slatkin uraufgeführt.
In den 90er Jahren entstanden viele Werke auf Aufträge von dem „Rova Saxophone Quartet“, dem „Arte saxophone quartet“, „Array Music“, „Zeitgeist“, dem „Steven Scott Bowed Piano Ensemble“, „The California E.A.R. unit“, dem Gitarristen David Tanenbaum, den Assad Brüdern. Dem „Cello Conjunto“, dem „Abel Steinberg-Winant Trio“, dem Pianisten „Werner Bärtschi“ und dem Amati Quartett.
Er spielt häufig selbst Klavierkonzerte mit seinen Klavierwerken der letzten 30 Jahre oder spielt zusammen mit herausragenden Solisten wie dem indischen Sitar Spieler Krishna Bhatt, dem Saxophonisten George Brooks und dem virtuosen Kontrabass – Solisten Stefano Scodanibbio. Riley schrieb Musik für Film unter anderem für die Kurzfilme von Bruce Conner.
“Ritmos und Melos” für Violine, Klavier und Percussion
entstand als Auftragswerk für das Abel Steinberg Winant-Trio und wurde 1993 uraufgeführt. Es gliedert sich in einen ersten Satz mit treibender Rhythmik und einen hochlyrischen zweiten.
A. Losonczy
Geb. 1932 in Budapest. Studium ebenda, Klavier bei Kadosa, Komposition bei Szervánszky. 1955 Klavierdiplom, ab dem gleichen Jahr Karriere als Solist, 2. Preis beim Intern. Klavierwettbewerb in Warschau, 1956 Liszt-Preis in Budapest, 1960 Kranichsteiner Musikpreis, 1986 Premio delle Muse Firenze.
Seit 1960 in Salzburg, Lehrtätigkeit am Mozarteum, zuletzt Leiter einer Klasse für Klavier „mit besonderer Berücksichtigung zeitgenössischer Musik“, 1998 Emeritierung, goldenes Verdienstzeichen des Landes Salzburg.
Konzerte im In-und Ausland mit dem OENM, mehrere Kompositionen wurden für das Ensemble geschrieben, u.a. „Growth structures“, surrealistisch beeinflusste Werke wie „Black Box“.
Bis auf zwei sind sämtliche vor 1960 in Ungarn komponierte Werke verlorengegangen, alle elektronischen und Computer-Stücke (Aufenthalte in New York 1986 und am IRCAM in Paris 1980) sind unauffindbar. 1997 fand die erste und bisher einzige Aufführung eine seiner Kompositionen in Ungarn statt (Zwei Bilder für Orchester, 1952).
Losonczys erhaltenes Oeuvre umfasst 13 Orchesterstücke, Kammer- und Vokalmusik, über 50 Klavierstücke, Solostücke für verschiedene Instrumente, eine Pantomime nach einem Text von Gerhard Amanshauser, eine Schattenspiel, ein imaginäres Bühnenstück sowie eigene Lautgedichte.
A. Maultasch
„Komponieren macht einfach Spaß“
„Nimm im Leben alles leicht...“ - Alfred Maultasch zum 90. Geburtstag
Vor kurzem hat Alfred Maultasch, der Doyen der Salzburger Komponisten, seinen 90. Geburtstag gefeiert; in voller geistiger Frische, um neue Einfälle nicht verlegen. Grund genug, von diesem beinah beispiellos vielseitigen Musikerleben zu erzählen.
Die Eltern von Alfred Maultasch kamen aus Oberösterreich in die Salzachstadt, er ist also ein recht typischer „Stadtinger“. Der Vater war Zollbeamter, spielte aber autodidaktisch Geige, Bratsche und Cello, arrangierte für Salonorchester und machte Hausmusik mit dem „Rainermarsch“-Komponisten Hans Schmid. Die Mutter sang im Kirchenchor – die Mischung von „ernster“ und „unterhaltsamer“ Musik wurde dem kleinen Alfred in die Wiege gelegt. Für den jungen Mann gab es nur die Musik als Lebensaufgabe. Er studierte Klarinette und Klavier am Mozarteum, spielte nebenbei drei Jahre lang im alten Maxglaner Kino zu Stummfilmen seine Lieblingsinstrumente Klarinette und Saxophon, die er nach der mit „sehr gut“ abgelegten Prüfung auch unterrichtete. Das alte Varieté Ronacher in Wien und das Wiener Rundfunkorchester standen am Beginn einer langen Laufbahn als Orchestermusiker, die ihn bereits vor dem Krieg nach Köln und Hamburg führte. Bernhard Paumgartner und Herbert von Karajan begegnete er als Dirigenten schon damals.
Dann kam die Zäsur des Zweiten Weltkriegs. Dem Kriegsgegner Maultasch blieb der Einsatz nicht erspart. War er am Beginn noch Sanitäter und Militärmusiker, so stand am Ende nach Strafkompanie, Russland-Feldzug und schwerer Verwundung ein längerer Lazarettaufenthalt in Goslar.
In Salzburg gehörte er nach 1945 zu jenen Pionieren, die das Musikleben neu aufbauten. Im zu dieser Zeit ständig um die Existenz ringenden Mozarteum Orchester war er zeitweilig engagiert; die Gage reichte gerade, um nicht zu verhungern. Andererseits – das waren Zeiten, als der Sender Rot-Weiß-Rot sein eigenes, von Maultasch gegründetes und geleitetes kleines Orchester hatte, welches zwei Live-Konzerte pro Woche spielte! Es bestand aus vierzehn Mann, die spielten Swing und Operetten-Potpourris, aber auch Klassik. Gute Freunde und Musizierpartner waren der im bayerischen Waging wohnhafte Schönberg-Schüler und Komponist Winfried Zillig, der den auch als Solisten mit Musik von Weber, Debussy, Reger, Hindemith und so weiter erfolgreichen Alfred Maultasch oft am Klavier begleitete, und der in Salzburg unvergessene, damals als ORF-Aufnahmeleiter tätige Ernst Hinrainer. Die ersten Kompositionen entstanden für das eigene Ensemble, es waren Schlager im Stil der Zeit. Der alte Herr erinnert sich und summt vor sich hin, einen Titel von damals – „Nimm im Leben alles leicht...“
Leider wurde das Orchester wieder aufgelöst und Maultasch übersiedelte 1953 nach Deutschland, zuerst nach Köln, dann in das Orchester der Hamburger Oper, kehrte also zu seinen Vorkriegsstationen zurück. Im Norden hat er auch seinen „Lebensmenschen“ gefunden, seine dritte Frau, die Amtsärztin gewesen ist und mit der er jetzt schon 35 Jahre glücklich verheiratet ist.
Frau Gisela war es auch, die ihn zum Niederschreiben seiner Improvisationen ermunterte. So studierte der pensionierte Orchestermusiker ab 1975 in Hamburg bei Professor Stahnke und begann, so genannte „seriöse“ Musik zu schreiben. In den letzten drei Jahrzehnten entstanden mindestens vierzig Werke, darunter drei Symphonien, Kammermusik für seine Instrumente, aber auch andere Besetzungen, Klaviermusik, Stücke für Akkordeon (das er auch zum Spaß gespielt hat) – Musik von ganz eigenem Reiz, weil in ihr die bald meisterhaft beherrschten Techniken der Dodekaphonie und der Atonalität sich mit dem Gespür für Klang und urwüchsige Melodik so originell verbinden, dass auch konservative Hörer damit viel anfangen können. Daneben hat Alfred Maultasch immer wieder auch tonale Orchesterstücke komponiert, die jedem erstklassigen Unterhaltungsorchester zur Ehre gereichen würden.
Die Verbindung nach Salzburg ist nie verloren gegangen. Nach regem Pendeln zwischen Hamburg, dem Haus am schönen Mondsee und der kleinen, aber gemütlichen Bleibe in Maxglan wurde die Heimatstadt in den letzten Jahren wieder zum Mittelpunkt des Lebens.
Warum komponiert Alfred Maultasch? „Komponieren macht einfach Spaß, ich habe große Freude daran. Ich schreibe für mich; schön, dass es auch den Leuten gefällt. Andere gut situierte Pensionisten machen Weltreisen, ich mache Musik.“
Wie entstehen seine Werke? „Musik ist meine innere Empfindung, daraus entsteht der Prozess des Komponierens. Ich setze mich einfach hin und schreibe, probiere zunächst am Klavier und instrumentiere dann. Einfälle habe ich noch immer genug, es wird halt immer schwerer, sie nieder zu schreiben, je älter man wird.“
Gibt es Vorbilder? „Alle Großen. Ich liebe sehr unterschiedliche Musik, etwa Tschaikowskij, guten Jazz, den ich stundenlang hören kann, aber auch Wiener Musik, die Schrammeln, wenn sie echt sind.“
Eine Werkbeschreibung von Alfred Maultasch, zu seiner Romanze für Klarinette und Klavier: „Es war ein schöner Tag im Frühling. Ich trat vor mein Haus am Mondsee und dann schrieb ich die Romanze“. Natürlich könnte man dieses freitonale Stück auch wissenschaftlich analysieren, aber das sollen die andern machen, wenn es sein muss.
Ab etwa 1990 wurden seine Stücke auch vermehrt gespielt. „Ich verdanke sehr viel Klaus Ager, er ist sozusagen mein Entdecker“, sagt Maultasch. Ager führte Musik von Maultasch immer wieder bei seinem „Aspekte“-Festival auf, auch das OENM und die IG Komponisten setzen sich in den diversen „Nächten der Komponisten“ für Maultasch kontinuierlich ein. Besonders gefreut hat ihn die Uraufführung seiner Ersten Symphonie, zwanzig Jahre nach ihrem Entstehen, durch die „Slovak Sinfonietta“ unter Leos Svarowsky bei den Aspekten 2003 im Orchesterhaus. „Der schönste Tag in meinem Leben, das wird die Uraufführung der 3. Symphonie in einem Konzert der NÖ Tonkünstler in Wien am 2. März 2005“ sagt der Komponist voller Zuversicht. In Italien, in Trento, erklangen im Vorjahr Klarinettenstücke. Er ist noch selber mit dem Auto hingefahren.
Hoffentlich erklingen bald auch die Zweite Symphonie, das Streichquartett und die Orchestersuite „Spanische Klänge“, um einige der noch nie aufgeführte Stücke zu nennen; vielleicht findet sich ein Verlag, der das Gesamtwerk verwaltet.
Alles in allem blickt Alfred Maultasch zufrieden zurück: „Es war ein von Musik erfülltes Leben.“ Ein Leben aber auch, in dem die Freuden der Sinne nicht zu kurz kamen – und kommen. Der Komponist liebt die Natur, gutes Essen und Trinken, er will am Abend nach diesem Gespräch noch Kalbsgulasch zubereiten, denn auch das Kochen ist eine oft geübte Kunst. „Meine Frau kam immer erst um ein Uhr mittags vom Dienst, so bin ich zum Koch geworden.“
Ich wünsche ihm, dass er trotz der Gebrechen des Alters noch möglichst viele Jahre in kreativer Freude und bei bestem Appetit seine geliebte Musik und die anderen schönen Dingen des Lebens genießen kann.

Gottfried F. Kasparek, Dezember 2004 in