PETER MAXWELL DAVIES & HARRISON BIRTWISTLE, M. SELOUJANOV

Datum: 19.02.2005
Beginn: 19:00
Ort: SEAD, Schallmooser Hptstr. 48, 5020 Salzburg
Interpreten
· ASPEKTE New Music Ensemble
· Kai Röhrig
· Gavin Taylor, Bariton
· Linda Wetherill, Flöte
Programm
· M. Seloujanov „The blood marriage of Moscow“ 
für Bariton, Violine, Cello, Flöte, Klarinette, Klavier und Schlagwerk
· H. Birtwistle The Axe Manual 
für Klavier und Schlagwerk
· P. M. Davies Eight Songs for a Mad King (1969) 
für Bariton, Violine, Cello, Flöte, Klarinette, Klavier und Schlagwerk
Kai Röhrig
wurde im Jahr 1971 in Oberhausen geboren. Er studierte Orchesterdirigieren an der Hochschule Mozarteum in der Klasse von Michael Gielen und Dennis Russell Davies und absol-vierte 1998 die zweite Diplomprüfung mit Auszeichnung. Nach dem Studium arbeitete Kai Röhrig zunächst als Repetitor und musikalischer Assistent am Festspielhaus in Baden-Baden. Von 1999 bis 2002 wirkte er als zweiter Kapellmeister und Solorepetitor am Landestheater in Salzburg, seit der Spielzeit 2002/03 ist er dort als koordinierter erster Kapellmeister tätig. Mit dem „Aspekte New Music Ensemble“ arbeitet Kai Röhrig seit dem Jahr 2000 als ständiger Gastdirigent zusammen.
Von 1996-2001 verband Kai Röhrig eine enge Zusammenarbeit mit dem Landesjugendorchester von Nordrhein-Westfalen. Außerdem leitete er in der vergangenen Jahren Konzerte mit dem Sin-fonieorchester Oberhausen, mit den Nürnberger Symphonikern, mit der Staatsphilharmonie Rhein-land-Pfalz, mit dem Slowenischen Radio-Sinfonieorchester, mit dem Schweizer Orchester „I Sinfo-nietti 01“, mit der Salzburger Kammerphilharmonie und mit dem „Österreichischen Ensemble für Neue Musik (OENM)“. In der Berliner Philharmonie dirigierte er im Rahmen der Reihe „Debüt im Deutschland Radio“ im Mai 1999 ein Konzert mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin. Im März 2003 gab er mit dem Orchester „I Sinfonietti 01“ sein Debüt in der Tonhalle Zürich.
Als musikalischer Assistent war Kai Röhrig bei den Bayreuther und Salzburger Festspielen tätig. Im Sommer 1999 wirkte er als Assistent von Bernard Haitink beim European Union Youth Orchest-ra und arbeitete als musikalischer Assistent von Claudio Abbado bei den Salzburger Osterfestspie-len 2001 und 2002. Im Sommer 2003 arbeitete er als Assistent von Markus Stenz bei den Salzbur-ger Festspielen an der Uraufführung von Henzes „L’Upupa“ mit. Kai Röhrig ist Preisträger der In-ternationalen Stiftung Mozarteum, die ihn im Oktober 1998 mit der „Bernhard-Paumgartner-Medaille“ auszeichnete.
Gavin Taylor, Bariton
Gavin Taylor wurde 1969 im Süden Englands geboren. Als Student widmete er sich zuerst der Oboe und dem Klavier, bevor er durch Robert Alderson zum Gesang fand. Die professionelle sängerische Ausbildung erhielt er daraufhin am renommierten Royal Northern College of Music in Manchester bei Ryland Davies.
Studienbegleitend besuchte der junge Bariton Meisterklassen bei Sherill Milnes, Chris Merritt, Francisco Araiza, Fedora Barbieri und Giuseppe Taddei. Zur Zeit wird er musikalisch von Helmut Weese und stimmlich von Harald Stamm betreut.
Nach frühen Gastspielen an der Welsh National Opera, der Scottish Opera und der English Touring Opera kam Gavin Taylor 1997 zum ersten Mal nach Deutschland, wo ihn Siegfried Matthus für die schwierige Partie des Huldbrand in E.T.A. Hoffmanns Undine an die Kammeroper Schloss Rheinsberg verpflichtete. Darauf folgte bei den Wiesbadener Maifestspielen die Partie des Tarquinius in Brittens Raub der Lukretia.
Weitere Gastengagements führten ihn als Marcello in Boheme nach Frankreich und als Escamillo nach Magdeburg. Mit dieser Partie gastiert er seither auch am Staatstheater Cottbus, am Würzburger Mainfrankentheater und am Stadttheater Hagen zu erbene. Darüber hinaus sang er in Detmold den Dreieinigkeitsmoses in Mahagonny (2003-2004), in Flensburg Richter Turpin in Sweeney Todd (2003), in Aachen als Frank Maurrant in Street Scene und in Hagen widerum den Escamillo.
Gavin Taylor singt die wichtigen Partien seines Fachs an den Opernhäusern von Magdeburg, Flensburg, Würzburg, Aachen und Kiel. Dazu gehören neben Escamillo und Don Giovanni auch spezielle, zeitgenössische Partien, so der Kaiser von Atlantis von Ullmann und der Prinz von Homburg von Hans Werner Henze.
Im Sommer 2004 sang Gavin Taylor beim renommierten Festival Charinthischer Sommer in Österreich St. Magnus von Peter Maxwell Davies, im Herbst 2004 folgt der Don Fernando in Hans Zenders Don Quichote de la Mancha an der Komischen Oper Berlin.
Linda Wetherill, Flöte
wurde in Milwaukee, USA, geboren. Sie machte ihren Abschluss an der East-man School of Music und vervollständigte ihre Studien an der SUNY Stony Brook. Als Solistin und Kulturbotschafterin unternahm sie Reisen durch Europa, Asien und Nordafrika, wo sie mit Kompo-nisten zusammenarbeitete und die traditionellen Musiken untersuchte. Vier Jahre lang war sie Pro-fessorin in der Türkei, wo sie Konferenzen und Konzerte an den führenden Universitäten und Kon-servatorien des Landes gab. Sie war Mitbegründerin der Festivals zeitgenössischer Musik in Istan-bul im Jahr 1990. Auf ihren diplomatischen Reisen durch den Mittleren Osten war Linda die erste Frau, die öffentliche Konzerte für gemischtes Publikum in Saudiarabien gab. Sie war Soloflötistin des IRCAM in Paris und des Frankfurter Radiosinfonieorchesters. Gegenwärtig ist sie Erste Flötis-tin der New York Philomusica. Sie gewann die NY´s East and West Artist Competition. Vor kurzem hat sie ihr Erstes Konzert und eine Tournee der Meisterklassen in China unternommen. Sie hat Aufnahmen für die Labels Deutsche Grammophon und Jecklin Records, für Radio- und TV-Sender der Vereinigten Staaten, Europas und Asiens gemacht.
M. Seloujanov
Österreichischer Polyästhet, in Moskau geboren, in Deutschland lebend. Seloujanovs Lebensweg ist geprägt von vielfältigen künstlerischen Aktivitäten und seiner Zugehörigkeit zu verschiedenen kulturellen Räumen. Entsprechend bezieht er sich in seinem kompositorischen Schaffen sowohl auf die russische Kultur als auch auf Errungenschaften der westlichen Avantgarden. Der Blick auf sein höchst umfangreiches Werkverzeichnis – darunter findet man nicht nur Musikwerke, sondern auch Theaterstücke und Bilder – kündet von kreativem Abenteuer. Die Hörbegegnung mit vielen seiner Werke offenbart eine Musik, die in ihrer stilistischen Vielfalt in keine Schublade passt. Dabei bewegt sich Seloujanov jenseits postmoderner Beliebigkeit und Oberflächlichkeit. Die große Ernsthaftigkeit seiner Arbeit offenbart sich nicht zuletzt in der Auseinandersetzung mit Themen jenseits der reinen Kunstwirklichkeit, etwa in einem seiner nächsten Projekte, einem Chor- und Orchesterwerk zum 60. Jahrestag des Kriegsendes.
Der Komponist wurde mehrmals bei internationalen Wettbewerben oder durch unterschiedliche Förderungen ausgezeichnet. Zuletzt wurde ihm 2004 als einem der kreativsten und profiliertesten Komponisten seiner Generation das Musikstipendium der Landeshauptstadt München für sein Opernprojekt „Fräulein Lenin, ja-ja“ verliehen.
„The blood marriage of Moscow“ für Bariton, Violine, Cello, Flöte, Klarinette, Klavier und Schlagwerk
ein polyästhetischer Musikdramastreich mit Texten von Goethe, Schiller, Shakespeare, Peter Heinrichsen und einem Zitat aus der Rede des Österreichischen Bundeskanzlers anlässlich des Nationalfeiertages am 26. des letzten Oktober, - der in den Kalendern der orthodoxen wie der katholischen Kirche als Tag des Demetrius verzeichnet ist.

Andenken – Gedenkkultur - Schlüsselwörter für das Jahr 2005 in Österreich.

„The blood marriage of Moscow“, versteht sich als ein Beitrag zur österreichischen Kultur dieses Jubiläumsjahres. Es greift zurück auf Ereignisse der politischen und literarischen Geschichte dreier Länder und möchte gleichzeitig aktuell der Gedenkkultur des Gedenkens einer Demokratie gedenken.

The blood marriage of Moscow“ gedenkt des 200. Sterbetags des deutschen Dichters Friedrich Schiller 1805, als dieser am Monolog der Marfa (Mutter des Demetrius) seines Dramas Demetrius (Ersttitel: „Die blutige Hochzeit in Moskau“ schrieb. Es gedenkt weiters des 400. Jahrestages des Einzugs eines Pseudodimitrijs nach Moskau sowie des 410. Jahrestag des Entstehens der Shakespeare-Komödie „Ein Sommernachtstraum“. Ein polyästhetisches Gedenken liegt dem Stück zu Grunde, und spiegelt somit den heutigen Tag wider. (Bemerkenswert, dass es 4 Pseudo-Dimitrijs in Russland gab, was zu erheblichen Turbulenzen in politischen,religiösen, diplomatischen und familiären Bereichen führte).
Demokratie war ein wichtiges Thema des unvollendeten Dramas Schillers.
Demokratie und der Kampf gegen Tyrannei sind nicht nur Anliegen unserer heutigen Kultur, sondern auch des vorliegenden Stücks, in dem sie vielfältig angesprochen und bespielt werden. Dies geschieht oft in einer Übertragung auf das Agieren des Musikensembles oder auf die Kompositionsstruktur, in einer Verbindung des Schillerschen Dramas mit Mitteln der Komödie Shakespeares und einigen Anspielungen auf den heutigen Tag in der Wahrnehmung unserer europäischen Geschichte. „Was ist die Mehrheit?“ fragt ein Pole in Schillers Stück. „Mehrheit ist der Unsinn, Verstand ist stets bei wen‘gen nur gewesen. Bekümmert sich ums Ganze, wer nichts hat?“. ………Was denken Sie?
Als eine Reminiszenz auf die Demokratie-Entwicklung des antiken Griechenland tritt im Stück ein Lysander auf, der einerseits mit Worten Shakespeares agiert, doch im Zusammenhang mit dem Drama Schillers das Bild eines Staatsmannes darstellt, der eine Demokratie ganz eigener Art schuf, - eine Regierung aus 30 Tyrannen (!) - .
Das Bedenken. Wofür – wogegen – wozwischen agiert der heutige Künstler im Rahmen von Demokratie – „Kulturbewachungssystem“ – „Tyrannen“ ? ? ?
Große Fragen in umfangreichen Dramen bei stets kleiner Besetzung, der Sparsamkeit wegen ……
M. S.
H. Birtwistle
wurde 1934 in Accrington, im Norden Englands geboren. Er studierte Klarinette und Komposition am Royal Manchester College of Music, wo er mit einer Gruppe von hochtalentierten Zeitgenossen zusammentraf: Peter Maxwell Davies, Alexander Goehr, John Ogdon und Elgar Howarth. Seit 1965 entschloß er sich, ausschließlich als Komponist zu arbeiten, reiste als Harkness Fellow nach Princeton, wo er seine Oper Punch and Judy vollendete. Dieses Stück begründete zusammen mit Verses for Ensembles und The Triumpf of Time Birtwistles Ruf als einer der führenden Stimmen der britischen Musik.
Das Schaffen zwischen 1973 und 1984 wird dominiert von der monumentalen Lyrischen Tragödie The Mask of Orpheus, uraufgeführt an der English National Opera 1986, und von einer Reihe bemerkenswerter Ensemblewerke, die von den bedeutendsten Ensembles für Neue Musik aufgeführt werden: Secret Theatre, Silbury Air und Carmen Arcadiae Mechanicae Perpetuum. Werke von großen Ausmaßen der sich anschließenden Dekade sind die Opern Gawain und The second Mrs Kong, die Konzerte Endless Parade für Trompete und Antiphonies for Klavier, sowie das Orchesterstück Earth Dances.
Zu den jüngeren Werken gehören Exody, das vom Chicago Symphony Orchestra unter Daniel Barenboim aus der Taufe gehoben wurde, und Panic für Saxophon, Schlagzeug und Orchester, dessen weltweit übertragene Uraufführung bei den Last Night of the BBC Proms 1995 schätzungsweise 100 Millionen Zuhörer fand. Zu den in den letzten Jahren entstandenen Kammermusikwerken gehören Pulse Shadows, eine einstündige Meditation über Gedichte von Paul Celan für Sopran, Streichquartett und Ensemble (eine CD-Veröffentlichung ist bei Teldec erschienen), sowie der für Joanna MacGregor komponierte Klavierzyklus Harrison‘s Clocks. Das Musiktheaterstück The Last Supper erlebte seine Uraufführung am 18. April 2001 an der Deutschen Staatsoper Unter den Linden, Berlin, gefolgt von Aufführungen in Glyndbourne im Oktober desselben Jahres. Für das Cleveland Orchestra entstand The Shadow of Night (UA 2002), und das Ensemblestück Theseus Game wurde 2003 im Rahmen der RuhrTriennale uraufgeführt. Neue Musiktheaterwerke entstehen für das Aldeburgh Festival und die Almeida Opera sowie für das Royal Opera House Covent Garden.

Die Musik Birtwistle‘s erfreut sich der Wertschätzung namhafter Dirigenten wie Pierre Boulez, Elgar Howarth, Peter Eötvös, Oliver Knussen, Sir Simon Rattle, Christoph von Dohnányi und Daniel Barenboim. Er erhielt Kompositionsaufträge der bedeutendsten internationalen Institutionen, seine Werke stehen auf den Programmen der wichtigsten Festivals und Konzertreihen, darunter die BBC Proms, die Salzburger Festspiele, das Holland Festivals, die Stockholmer und Wittener Tage für Neue Musik, das South Bank Centre in London und das Konzerthaus Wien.
Birtwistle erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Grawemeyer Award 1986, den Siemens Musikpreis 1995 sowie den British Companion of Honour 2001. Er wurde 1986 zum Chevalier des Arts et des Lettres und 1988 in den britischen Adelsstand erhoben. Von 1995 bis 2001 war er Henry Purcell Professor of Music am King‘s College of Music in London und ist gegenwärtig Director of Composition am Londonder Royal College of Music.
The Axe Manual für Klavier und Schlagwerk
entstand im Jahr 2000 und erlebte seine Uraufführung am 22.03.2001 im Symphony Center, Chicago, Illinois mit Emanuel Ax, Klavier und Evelyn Glennie, Percussion.
P. M. Davies
ist nicht nur einer der profiliertesten Komponisten der Welt, sondern auch ein renommierter Dirigent und einer der Vordenker auf dem Gebiet der Musikpädagogik.
Maxwell Davies wurde 1934 in Salford geboren. Er studierte an der Manchester University gemeinsam mit Harrison Birtwistle und Alexander Goehr und am Royal Manchester College of Music. Zu seinen Lehrern zählten Geofredo Petrassi in Rom und Roger Sessions in Princeton. In den Jahren 1959 bis 1962 war er der musikalische Direktor der Cirencester Grundschule, was nicht nur sein bis heute andauerndes Interesse am Komponieren von Werken für Kinder und Jugendliche weckte, sondern ihn auch dazu anregte, Konzepte für den Musikunterricht zu entwickeln.
Von 1967 bis 1987 leitete Maxwell Davies sein eigenes Kammermusikensemble „The Fires of London“ (zuvor „The Pierrot Players“), mit dem musikalischen Schwerpunkt auf zeitgenössischer Musik. 1970 ließ er sich in Orkney (vor der Schottischen Nordküste) nieder und gründete dort 1977 das jährliche St. Magnus-Festival, das internationale Künstler, Neue Musik und eine starke Einbindung der Einwohner vereint.
Maxwell Davies‘ Œuvre umfasst Werke sämtlicher Gattungen und schließt fünf Sinfonien, elf Solokonzerte, solch populäre Werke wie An Orkney Wedding with Sunrise, Musiktheater wie Taverner und Resurrection sowie die Ballette Salome und Caroline Mathilde.
Eight Songs for a Mad King (1969) für Bariton, Violine, Cello, Flöte, Klarinette, Klavier und Schlagwerk
Die Texte sind von Randolph Stow und Zitate von Georg III und verstehen sich als Monologe des kranken Königs.