Konzert VIII
|
Sonderkonzert 30 Jahre ASPEKTE Salzburg
|
| Datum: | 12.02.2006 |
| Beginn: | 19:00 |
| Ort: | Große Aula der Universität Salzburg, Universitätsplatz 1, 5020 Salzburg |
| Interpreten | ||
| · | Slovak Sinfonietta | |
| · | Leo Svarovsky | |
| · | D. Kalnina, Sopran | |
| · | Gintaré Skeryté, Mezzosopran | |
| · | Henri Bok, Bassklarinette | |
| Programm | ||
| · | S. Sciarrino | Quattro Intermezzi |
| · | P. W. Fürst |
Chant de Moulin
für Streichorchester |
| · | A. Maultasch | Sinfonie II |
| · | K. Ager |
Musik zum Frieden
für Sopran, Mezzospran, Bassklarinette, und Orchester |
| · | I. Buffa | Ritual für Kammerorchester (UA) |
| Slovak Sinfonietta |
|
(Das Staatliche Kammerorchester Zilina) gehört zu den bekanntesten Orchestern in Osteuropa. Es wurde im Jahre 1974 als das einzige Mozart-Typ- Orchester in der Slowakei gegründet. Seitdem konnte das Orchester nicht nur eine führende Position in der Tschechischen Republik und der Slowakei erringen, sondern es gelang ihm auch sehr bald, sich im internationalen Vergleich zu behaupten. Das Orchester hat 35 Mitglieder, überwiegend Absolventen der Musikhochschulen von Prag, Brno und Bratislava. Mehrere von ihnen sind Preisträger internationaler Wettbewerbe und außerhalb ihrer Orchestertätigkeit auch als Solisten tätig. Der erste Chefdirigent des Staatlichen Kammerorchesters Zilina war der bedeutende tschechische Dirigent und Komponist Eduard Fischer (1930-1993). Unter seiner Leitung erreichte das Orchester in kurzer Zeit ein hohes künstlerisches Niveau. Schon im Jahre 1977 war es als das Festivalorchester der berühmten Salzburger Festspielen eingeladen. Neben ihrer regen Konzerttätigkeit in der Tschechischen Republik und der Slowakei stellte sich das Staatliche Kammerorchester ilina auf den Konzertpodien in ganz Europa, sowie in Tunesien, Brasilien, Japan und den USA vor. Das Orchester konzertierte auf bedeutenden internationalen Festivals: mehrmals bei den Salzburger Festspielen, in den letzten 10 Jahren regelmäßig jedes Jahr auf den Festspielen in Wien: Wiener Festwochen, Haydn-Festival Wien und Wiener Frühlingsfestival. Das Orchester gastierte unter anderem beim Prager Frühling, beim Mozartfest in Schwetzingen, den Musikwochen in Sofia, dem Festa Musica Pro in Assisi, den Sommerfestivals in Spanien, Festival de Bonaguil in Frankreich, Festival de Manaus, Schleswig-Holstein Festival und den Musikfestspielen Bratislava. Ihm applaudierte das Publikum der berühmtesten Konzertsäle: Musikverein und Konzerthaus in Wien, Tonhalle Düsseldorf, Komische Oper Berlin, St. Franz Kathedrale in Assisi, Philharmonie St. Peterburg, Palau de la Musica Barcelona, Sympony Hall Osaka, Metropolitan Kunsthalle Tokyo, Concertgebouw Amsterdam, und andere. Die erste Tournée des Staatlichen Kammerorchesters ilina in den USA führte das Orchester u.a. nach New York, Chicago und Cleveland. Die Slovak Sinfonietta arbeitet mit vielen hervorragenden Dirigenten und Solisten zusammen (z.B. Klaus Peter Flor, Eve Queler, Peter Maag, Oliver Dohnanyi, Tsugio Maeda, Dwight Bennett, Vincent la Selva, Marco Armiliato, Christian Benda, Stanislaw Galonski, Christian Pollack, Igor Oistrach, Narciso Yepes, André Gertler, Peter Dvorsky, Edita Gruberova, Gabriela Benackova und Olivia Stapp). Dank seiner spezifischen Besetzung, die eigentlich ein kleines Symphonieorchester bildet, hat die Slovak Sinfonietta ein breites Repertoire, das Werke der Barockzeit, der Wiener Klassik, der frühen Romantik und auch Werke aus dem zwanzigsten Jahrhundert enthält. Regelmäßig führt das Orchester auch dramaturgisch ungewöhnliche Programme auf, meistens für jüngeres Publikum, wobei es auch Jazz und Popmusik spielt. Das Staatliche Kammerorchester Zilina produzierte für die Firmen OPUS, DONAU und BMG viele Aufnahmen mit Werken von Vivaldi, Telemann, Mozart, Haydn, Beethoven, Hummel, Verdi, Respighi, Martinu, Dvorak, Janacek und anderen tschechischen und slowakischen Komponisten. Alle Konzerte des Orchesters fanden und finden immer eine überaus positive Resonanz sowohl beim Publikum als auch bei der Fachkritik, renommierte Gastkünstler kommen immer wieder gerne nach Zilina. Chefdirigent des Orchesters Slovak Sinfonietta von 1995 bis 2000 war Leos Svarovsky, dieser gehört zurzeit zu den bedeutendsten tschechischen Dirigenten. Der Ehrenchefdirigent ist Herr Tsugio Maeda aus Japan. |
| Leo Svarovsky |
|
studierte zuerst Flöte am Prager Konservatorium und setzte dann sein Musikstudium im Fach Dirigieren bei Václav Neumann fort. Bei internationalen Wettbewerben war er sowohl als Flötist als auch als Dirigent sehr erfolgreich. Ein Stipendium der Karajan Stiftung ermöglichte ihm ein Studium bei Sir Georg Solti und Claudio Abbado in Salzburg. 1985 wurde er Assistent von Zdenek Koler, dem Chef des Prager Nationaltheaters. Das Prager Kammerorchester und das Philharmonische Orchester Brünn sind weitere Stationen seiner Karriere. Im Jahre 1991 wurde er zum Chefdirigenten der Janácek Philharmonie Ostrava und der Staatlichen Philharmonie Brünn ernannt. 1995 folgte die Berufung zum Chefdirigenten der Slowakischen Sinfonietta in ilina und seit 1997 ist er auch als Chefdirigent der Kammerphilharmonie Pardubice tätig. Außerdem ist er Dirigent des Symphonischen Orchesters Prag. Leo Svárovský trat als Dirigent in allen europäischen Ländern, in Kuba, Venezuela, Japan, Südkorea, China, Kanada und den Vereinigten Staaten auf, entweder mit seinen eigenen Orchestern oder als Gast von zwanzig anderen bekannten Orchesterformationen. |
| D. Kalnina, Sopran |
Geboren 1970. 1994 beendet sie ihre Studien an der lettischen Musikakademie (Gesang in der Klasse von Ludmila Brauna). Solistin der lettischen National Oper seit 1997, Preisträgerin des Great Music Award (1993, für die Rolle der Dido in Purcells Dido and Aeneas), führten sie Tourneen nach Israel, Germany, Australia, France, USA.
|
| Gintaré Skeryté, Mezzosopran |
|
Beendete ihre Klavierstudien an der Musikakademie Vilnius (Litauen) bevor sie dort auch Gesang studierte. Sie spezialisierte sich in ihrer Karriere auf Oratorien und Kantaten, und viele große Komponisten sowohl des Barock als auch zeitgenössischer Epochen prägen ihr Repertoire. Darunter befinden sich auch viele litauische Komponisten wie zum Beispiel F. Bajoras, B Kutavicius und A. Martinaitis. Sie konzertierte mit dem Lithuanian Chamber Orchestra, Latvian Chamber Orchestra and Collegium Musicum. 1993 nahm sie am Festival für zeitgenössische Musik in Luzern teil, und sang ein Werk von Kutavicius, weiters wurde sie zu Festivals in Breslau und Warschau eingeladen. Unlängst nahm Frau Skeryté eine CD mit Werken neuer litauischer Musik auf. |
| Henri Bok, Bassklarinette |
Henri Bok widmet sein Leben der Bassklarinette, als Jugendlicher angespornt durch den großen Eric Dolphy.Seit 1981 ist Henri Bok Professor für Bassklarinette am Konservatorium von Rotterdam, welches aufgrund seines einzigartigen Programm für Bassklarinette Kursteilnehmer aus aller Welt anzieht. Henri Bok erfand ungewöhnliche, aber sehr wirkungsvolle neue Kammermusik Gestaltungen, wie das Duo Contemporain mit Bassklarinette und Marimba/Vibraphone, Duo Novair mit Bassklarinette und Akkordeon und Bass-Instincts mit Bassklarinette und Bassoboe. Zahlreiche Werke, von international anerkannten Komponisten wurden für Henri Bok geschrieben und ihm gewidmet. Er wird häufig eingeladen, Konzerte und Master Kurse in Europa, Nord- u. Südamerika, Australien und Asien zu geben. Henri Bok hat über 20 CDs aufgenommen, viele Artikel für wichtige Musikzeitschriften geschrieben und ist Autor des Standardwerkes für sein Instrument: Neue Techniken für die Bassklarinette und das Bassklarinetten Handbuch. |
| Salvatore Sciarrino |
1947 in Palermo geboren, ist stolz darauf, frei und keiner Musikrichtung zuzuordnen zu sein. Er begann im Alter von zwölf Jahren als Autodidakt zu komponieren. 1962 kam es zur ersten öffentlichen Aufführung eines seiner Werke. Sciarrino betrachtet seine ersten Werke bis 1966 als harte Lehrzeit, in der sich sein persönlicher Stil entwickelte. Seine umfassende Werkliste wird in einem ständigen kreativen Prozess weiter entwickelt. Nach Abschluss der klassischen Schulbildung und einigen Jahren des Universitätsstudiums übersiedelte Sciarrino 1969 nach Rom und 1977 nach Mailand. Seit 1983 lebt er in Città di Castello.Unter anderem komponierte er für das Teatro alla Scala, RAI, den Maggio Musicale Fiorentino, die Biennale di Venezia, das Teatro La Fenice, die Oper von Genua, die Arena di Verona, die Oper von Stuttgart, La Monnaie (Brüssel), die Oper Frankfurt, Concertgebouw (Amsterdam), das London Symphony Orchestra, Suntory Hall (Tokyo) und für folgende Festivals: Schwetzingen, Donaueschingen, Witten, Salzburg, New York, Wien Modern, Wiener Festwochen, Berliner Festspiele Musik Biennale, Holland Festival, Alborough, Festival d'Automne à Paris, Ultima (Oslo). Seine Werke von 1969 bis 2004 sind bei Ricordi verlegt und seit 2004 exklusiv bei RAI Trade. Sciarrino kann eine umfangreiche Diskographie vorweisen. Seine Kompositionen sind auf 70 CDs bei verschiedenen internationalen Labels erschienen. Sciarrino schrieb einen Großteil seiner Opernlibretti selbst und hat darüber hinaus eine reiche Anzahl an Texten verfasst, die in dem Buch "Carte da suono" (DICIM - Novecento, 2001) zusammengefasst sind. Von besonderer Bedeutung ist ein interdisziplinäres Herangehen an die musikalische Form in seinem Buch "Le figure della musica, da Beethoven a oggi" (Ricordi 1998). Er lehrte an den Konservatorien in Mailand (1974 - 1983), Perugia (1983 - 1987) und Florenz (1987 - 1996). Gleichzeitig leitete Sciarrino Fortbildungskurse und Meisterklassen, besonders hervorzuheben jene in Città di Castello von 1979 bis 2000. Zwischen 1978 und 1980 war er künstlerischer Leiter des Teatro Comunale di Bologna. Er ist Mitglied der Akademie di Santa Cecilia (Rom), Akademie der Schönen Künste in München und der Akademie der Kunst (Berlin). Sciarrino ist Träger zahlreicher Preise. Die jüngsten: Prince Pierre de Monaco (2003) und Premio Internazionale Feltrinelli(2003). Für 2006 arbeitet Sciarrino an der Oper "Da gelo a gelo" für die Schwetzinger Festspiele, die Opéra de la Bastille, Paris. |
| Paul Walter Fürst |
|
Paul Walter Fürst wurde 1926 in Wien geboren. Er besuchte das musische Gymnasium in Frankfurt am Main. In Wien studierte er an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst. Seine Musikerkarriere startete er als Solobratschist beim Niederösterreichischen Tonkünstlerorchester und bei den Münchner Philharmonikern, bevor er zu den Wiener Philharmonikern wechselte. Den Wiener Philharmonikern hielt er als Bratschist 30 Jahre lang die Treue. Seine wahre Leidenschaft aber ist das Komponieren. Er kann auf ein Gesamtwerk von 150 Kompositionen zurückblicken. Das Komponieren ist eng mit seiner Tätigkeit als Orchestermusiker verknüpft. Im fortgeschrittenen Alter hat Paul Walter Fürst begonnen, sich für die Möglichkeiten, die der Computer bietet, zu interessieren. Heute schreibt er Stimmen und Partituren mit Hilfe des Computers auf. Paul Walter Fürst engagiert sich in verschiedenen Gremien und Organisationen für die Belange von Musikerinnen und Musikern. Er ist Präsident der AKM, Präsident der ÖSTIG (Schwestergesellschaft der AKM für Interpreten); er war Präsident der Gewerkschaft Kunst, Medien und freie Berufe sowie Geschäftsführer der Wiener Philharmoniker. So oft es seine Zeit zulässt, zieht sich Paul Walter Fürst in seinen Garten in Niederösterreich zurück. Er ist glücklich verheiratet, hat zwei Kinder und Enkelkinder. Die Kinder sind ausnahmsweise nicht (Berufs-) Musiker. 1970 Professor, Förderungspreis der Stadt Wien, 1980 Großes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich, 1982 Goldenes Verdienst-Zeichen der Stadt Salzburg, 1985 Kaiser-Friedrich-Medaille der Stadt Baden, 1990 Förderungspreis für Komposition des Landes NÖ, 1994 Preis der Stadt Wien für Musik. |
| Chant de Moulin für Streichorchester |
| Die Windmühlen haben es Paul Walter Fürst angetan, die holländischen, die spanischen und speziell jene auf seiner persönlichen Trauminsel Mallorca: Das sind die einzigen Maschinen, denen ich fast eine Art Seelenleben zuschreiben möchte: Sie können traurig oder lustig sein, erregt oder kraftlos, überschwenglich, flatterhaft, beständig aber sie bleiben dabei immer am Boden, heben nie ab. Ein herrliches Bild des Lebens. Für die Streicher des Wiener Concert-Vereins hat Fürst nun diese seine Faszination Musik werden lassen und nützt in Chant des Moulins deren reiche Möglichkeiten zu (zumindest an der Oberfläche lautmalerisch wirkenden) Effekten vom herkömmlichen Spiel bis zum Streichen auf dem Korpus voll aus. Und ein Kontrabass, findet Fürst, ist vom Charakter her einer Mühle schon verblüffend ähnlich!. Nur ein paar Glockenspiel-Töne, ausgeführt von einem Musiker am letzten Pult der zweiten Geigen, erweitern das Klangspektrum. Daneben nimmt jedoch auch die (Wind-)Stille zentrale Bedeutung ein: Karg, von vielen bewußt gesetzten Pausen im durch ständige Taktwechsel gleichsam naturalistisch unregelmäßigen metrischen Grundpuls hebt das Stück an. Walter Weidringer in der Musikfreunde Zeitschrift |
| Alfred Maultasch |
|
Komponieren macht einfach Spaß Nimm im Leben alles leicht... - Alfred Maultasch zum 90. Geburtstag Vor kurzem hat Alfred Maultasch, der Doyen der Salzburger Komponisten, seinen 90. Geburtstag gefeiert; in voller geistiger Frische, um neue Einfälle nicht verlegen. Grund genug, von diesem beinah beispiellos vielseitigen Musikerleben zu erzählen. Die Eltern von Alfred Maultasch kamen aus Oberösterreich in die Salzachstadt, er ist also ein recht typischer Stadtinger. Der Vater war Zollbeamter, spielte aber autodidaktisch Geige, Bratsche und Cello, arrangierte für Salonorchester und machte Hausmusik mit dem Rainermarsch-Komponisten Hans Schmid. Die Mutter sang im Kirchenchor die Mischung von ernster und unterhaltsamer Musik wurde dem kleinen Alfred in die Wiege gelegt. Für den jungen Mann gab es nur die Musik als Lebensaufgabe. Er studierte Klarinette und Klavier am Mozarteum, spielte nebenbei drei Jahre lang im alten Maxglaner Kino zu Stummfilmen seine Lieblingsinstrumente Klarinette und Saxophon, die er nach der mit sehr gut abgelegten Prüfung auch unterrichtete. Das alte Varieté Ronacher in Wien und das Wiener Rundfunkorchester standen am Beginn einer langen Laufbahn als Orchestermusiker, die ihn bereits vor dem Krieg nach Köln und Hamburg führte. Bernhard Paumgartner und Herbert von Karajan begegnete er als Dirigenten schon damals. Dann kam die Zäsur des Zweiten Weltkriegs. Dem Kriegsgegner Maultasch blieb der Einsatz nicht erspart. War er am Beginn noch Sanitäter und Militärmusiker, so stand am Ende nach Strafkompanie, Russland-Feldzug und schwerer Verwundung ein längerer Lazarettaufenthalt in Goslar. In Salzburg gehörte er nach 1945 zu jenen Pionieren, die das Musikleben neu aufbauten. Im zu dieser Zeit ständig um die Existenz ringenden Mozarteum Orchester war er zeitweilig engagiert; die Gage reichte gerade, um nicht zu verhungern. Andererseits das waren Zeiten, als der Sender Rot-Weiß-Rot sein eigenes, von Maultasch gegründetes und geleitetes kleines Orchester hatte, welches zwei Live-Konzerte pro Woche spielte! Es bestand aus vierzehn Mann, die spielten Swing und Operetten-Potpourris, aber auch Klassik. Gute Freunde und Musizierpartner waren der im bayerischen Waging wohnhafte Schönberg-Schüler und Komponist Winfried Zillig, der den auch als Solisten mit Musik von Weber, Debussy, Reger, Hindemith und so weiter erfolgreichen Alfred Maultasch oft am Klavier begleitete, und der in Salzburg unvergessene, damals als ORF-Aufnahmeleiter tätige Ernst Hinrainer. Die ersten Kompositionen entstanden für das eigene Ensemble, es waren Schlager im Stil der Zeit. Der alte Herr erinnert sich und summt vor sich hin, einen Titel von damals Nimm im Leben alles leicht... Leider wurde das Orchester wieder aufgelöst und Maultasch übersiedelte 1953 nach Deutschland, zuerst nach Köln, dann in das Orchester der Hamburger Oper, kehrte also zu seinen Vorkriegsstationen zurück. Im Norden hat er auch seinen Lebensmenschen gefunden, seine dritte Frau, die Amtsärztin gewesen ist und mit der er jetzt schon 35 Jahre glücklich verheiratet ist. Frau Gisela war es auch, die ihn zum Niederschreiben seiner Improvisationen ermunterte. So studierte der pensionierte Orchestermusiker ab 1975 in Hamburg bei Professor Stahnke und begann, so genannte seriöse Musik zu schreiben. In den letzten drei Jahrzehnten entstanden mindestens vierzig Werke, darunter drei Symphonien, Kammermusik für seine Instrumente, aber auch andere Besetzungen, Klaviermusik, Stücke für Akkordeon (das er auch zum Spaß gespielt hat) Musik von ganz eigenem Reiz, weil in ihr die bald meisterhaft beherrschten Techniken der Dodekaphonie und der Atonalität sich mit dem Gespür für Klang und urwüchsige Melodik so originell verbinden, dass auch konservative Hörer damit viel anfangen können. Daneben hat Alfred Maultasch immer wieder auch tonale Orchesterstücke komponiert, die jedem erstklassigen Unterhaltungsorchester zur Ehre gereichen würden. Die Verbindung nach Salzburg ist nie verloren gegangen. Nach regem Pendeln zwischen Hamburg, dem Haus am schönen Mondsee und der kleinen, aber gemütlichen Bleibe in Maxglan wurde die Heimatstadt in den letzten Jahren wieder zum Mittelpunkt des Lebens. Warum komponiert Alfred Maultasch? Komponieren macht einfach Spaß, ich habe große Freude daran. Ich schreibe für mich; schön, dass es auch den Leuten gefällt. Andere gut situierte Pensionisten machen Weltreisen, ich mache Musik. Wie entstehen seine Werke? Musik ist meine innere Empfindung, daraus entsteht der Prozess des Komponierens. Ich setze mich einfach hin und schreibe, probiere zunächst am Klavier und instrumentiere dann. Einfälle habe ich noch immer genug, es wird halt immer schwerer, sie nieder zu schreiben, je älter man wird. Gibt es Vorbilder? Alle Großen. Ich liebe sehr unterschiedliche Musik, etwa Tschaikowskij, guten Jazz, den ich stundenlang hören kann, aber auch Wiener Musik, die Schrammeln, wenn sie echt sind. Eine Werkbeschreibung von Alfred Maultasch, zu seiner Romanze für Klarinette und Klavier: Es war ein schöner Tag im Frühling. Ich trat vor mein Haus am Mondsee und dann schrieb ich die Romanze. Natürlich könnte man dieses freitonale Stück auch wissenschaftlich analysieren, aber das sollen die andern machen, wenn es sein muss. Ab etwa 1990 wurden seine Stücke auch vermehrt gespielt. Ich verdanke sehr viel Klaus Ager, er ist sozusagen mein Entdecker, sagt Maultasch. Ager führte Musik von Maultasch immer wieder bei seinem Aspekte-Festival auf, auch das OENM und die IG Komponisten setzen sich in den diversen Nächten der Komponisten für Maultasch kontinuierlich ein. Besonders gefreut hat ihn die Uraufführung seiner Ersten Symphonie, zwanzig Jahre nach ihrem Entstehen, durch die Slovak Sinfonietta unter Leos Svarowsky bei den Aspekten 2003 im Orchesterhaus. Der schönste Tag in meinem Leben, das wird die Uraufführung der 3. Symphonie in einem Konzert der NÖ Tonkünstler in Wien am 2. März 2005 sagt der Komponist voller Zuversicht. In Italien, in Trento, erklangen im Vorjahr Klarinettenstücke. Er ist noch selber mit dem Auto hingefahren. Hoffentlich erklingen bald auch die Zweite Symphonie, das Streichquartett und die Orchestersuite Spanische Klänge, um einige der noch nie aufgeführte Stücke zu nennen; vielleicht findet sich ein Verlag, der das Gesamtwerk verwaltet. Alles in allem blickt Alfred Maultasch zufrieden zurück: Es war ein von Musik erfülltes Leben. Ein Leben aber auch, in dem die Freuden der Sinne nicht zu kurz kamen und kommen. Der Komponist liebt die Natur, gutes Essen und Trinken, er will am Abend nach diesem Gespräch noch Kalbsgulasch zubereiten, denn auch das Kochen ist eine oft geübte Kunst. Meine Frau kam immer erst um ein Uhr mittags vom Dienst, so bin ich zum Koch geworden. Ich wünsche ihm, dass er trotz der Gebrechen des Alters noch möglichst viele Jahre in kreativer Freude und bei bestem Appetit seine geliebte Musik und die anderen schönen Dingen des Lebens genießen kann. Gottfried F. Kasparek, Dezember 2004 in DrehPunktKultur |
| Klaus Ager |
Geboren 1946 in Salzburg, Musikstudien am Mozarteum und an der Universität in Salzburg, sowie am Conservatoire National et Superieur in Paris bei Olivier Messiaen und Pierre Schaeffer.1975-1986 künstlerischer Leiter des "Österreichischen Ensemble für Neue Musik" und damit umfangreiche Konzerttätigkeit im In- und Ausland. Seit 1977 künstlerischer Direktor des Neue-Musik-Festivals "Aspekte Salzburg" in Salzburg. 1994 Gründung des "Aspekte new music ensembles" und damit Konzerttätigkeit in Europa und außerhalb (Italien, Lettland, Brasilien und Österreich). Seit 1973 Assistent für Musiktheorie an der damaligen Hochschule für Musik und darstellende Kunst Mozarteum, 1978-1986 Professor für Komposition am Landes-Konservatorium in Bregenz und ab 1986 Professor für Musikanalytik an der Hochschule Mozarteum. 1991-1995 stellvertretender Rektor dieser Institution und 1995-2000 Rektor. In den letzten Jahren häufige Tätigkeit als Gastkomponist und Lektor an verschiedenen nord- und südamerikanischen Universitäten aber auch an Institutionen in China, Taiwan und Japan. Als Komponist in erster Linie durch Kammermusik, Orchesterwerke, elektronische und Computermusik hervorgetreten. Aufführungen bei den wichtigsten Festivals Neuer Musik in der ganzen Welt. Zahlreiche Werke sind auf Schallplatten und CD´s erhältlich (Hoshi für Bläserquintett, Atacama für Gitarre solo, Alinkonie für verschiedene Klangerzeuger, Beta/ break towards infinity, wind um ein grab, CLB512, sondern die sterne sinds, Gesang zur Nacht, Serenade für Klavier und Orchester, La regle du jeu, DUINO I etc.) |
| Ivan Buffa |
| studierte zunächst am Konservatorium in Koice Komposition und Klavier, und erwarb dann an der Hochschule für Musik in Bratislava 2005 sein Diplom mit Auszeichnung. Derzeit ist er Kompositionsschüler von Michael Jarrell in Wien. Zusätzlich nahm er an Klavier-Meisterkursen bei E. Nesterenko und G. Kurtag, sowie an Kompositionskursen in Ceský Krumlov (Tschechien) und Reichenau teil, wo er den 2. Kompositionspreis für sein Streichquartett erhielt. Tourneen durch Europa und Mexiko. Seine Werke gelangen bei Festivals in der Slowakei regelmäßig zur Aufführung. |
| Ritual für Kammerorchester (UA) |
| Die Komposition Rituál entstand 2005 als eine Bearbeitung des zweiten Satzes von meinem Doppelkonzert für 2 Klaviere und Orchester.Eine derartige Bearbeitung hat vor allem die Struktur des zweiten Satzes ermöglicht, weil die Solo-Instrumente nicht als eigenständige Stimmen über die gesamte Dauer des Konzertes dominieren, sondern in dem zweiten Satz als Teil des Orchesters funktionieren. Das Stück taucht allmählich aus der Stille auf, wie Tropfen oder Flocken geformt, was wie eine Einleitung wirkt. Zu Beginn des Mittelteils tritt die Meditation in einem richtigen Ritual Gestus in Erscheinung. Sein Ostinato Material ist in sehr einfacher Gestalt in Raum und Zeit eingerichtet. Da die Metrik keine reale Existenz hat, das starre Muster der aus der grossen Septime ausgestalteten Harmonie stufenweise in einem eigenartigen Kontrapunkt der Streicher verschwindet, wobei er durch eine andere Harmonie in den Bläsern doch wieder auf modifizierten Ebenen unterstützt wird, atmet - als Konsequenz aus all diesen Wirkungen - die ganze Struktur sehr ruhig in einem langen Bogen, der seinen Nachklang in einer schnellen Bewegung findet. Die Zeit und Struktur beeinflussen sich wechselseitig, woraus Kontinuität und Konsequenz entsteht. Das Ritual braucht sowohl seine eigene Vorbereitung, als auch eine Rückkehr von der Tiefe der Seele zu anderen Ebenen der vielfältigen Realitäten. Jeder Mensch hat seine eigenen Rituale. |
Geboren 1970. 1994 beendet sie ihre Studien an der lettischen Musikakademie (Gesang in der Klasse von Ludmila Brauna). Solistin der lettischen National Oper seit 1997, Preisträgerin des Great Music Award (1993, für die Rolle der Dido in Purcells Dido and Aeneas), führten sie Tourneen nach Israel, Germany, Australia, France, USA.
Henri Bok widmet sein Leben der Bassklarinette, als Jugendlicher angespornt durch den großen Eric Dolphy.
1947 in Palermo geboren, ist stolz darauf, frei und keiner Musikrichtung zuzuordnen zu sein. Er begann im Alter von zwölf Jahren als Autodidakt zu komponieren. 1962 kam es zur ersten öffentlichen Aufführung eines seiner Werke. Sciarrino betrachtet seine ersten Werke bis 1966 als harte Lehrzeit, in der sich sein persönlicher Stil entwickelte. Seine umfassende Werkliste wird in einem ständigen kreativen Prozess weiter entwickelt. Nach Abschluss der klassischen Schulbildung und einigen Jahren des Universitätsstudiums übersiedelte Sciarrino 1969 nach Rom und 1977 nach Mailand. Seit 1983 lebt er in Città di Castello.
Geboren 1946 in Salzburg, Musikstudien am Mozarteum und an der Universität in Salzburg, sowie am Conservatoire National et Superieur in Paris bei Olivier Messiaen und Pierre Schaeffer.