Zdzislaw Wysocki
Geboren 1944. Umgibt in seiner geradezu asketisch anmutenden Erscheinung und zurückgezogenen Arbeitsweise eine geheimnisvolle, unergründliche Aura. Der 1944 in Poznán (Posen) geborene Komponist drückt sich alleine durch seine Musik aus, in der sich scheinbar die Spannungen der gewaltigen Kompressionen Osteuropas mit glutvollen eigenen Empfindungen und schmerzlichen Erfahrungen mischen. Wysockis Leistungen erstaunen vor allem auf dem Gebiet der Kammermusik, wo ihn ausgefallene Besetzungen fesseln. Trios für Horn, Violine und Klavier (Opus 51) oder für Viola, Flöte und Bratsche (Opus 57) sind geradezu schon "Normalbesetzungen", wenn man an Besetzungen wie in den Stücken für Akkordeon und Streichquartett (Quintettino Opus 53), vier Saxophone (Movimenti Opus 47) oder vier Celli (Opus 64) denkt. Diese Suche nach neuen Klangkombinationen potenziert sich in seinem monumentalen Werkkomplex der 'Etüden für Kammerensemble' in vielfältigster Weise und gibt dem Publikum eine Reihe von Rätseln auf. Vielfältigst in ihrer Struktur und Gestalt sind die bislang mehr als 60 Etüden Fundgruben für diejenigen, die das Ausgefallene, Unwahrscheinliche und Futuristische, aber auch das Vergrabene, Vergessene und Unheimliche schätzen. Als Miniaturdramolette der Kammermusik hat sie der Komponistenkollege Thomas Daniel Schlee bezeichnet, diese Stücke mit der Kraft des Unerwarteten, die musikalisch ihresgleichen suchen, am ehesten noch mit der intellektuellen Schärfe eines Slavomir Mrozek, eines Stanislaw Lem zu vergleichen wären, also außermusikalischen, literarischen Kunstprodukten.