Giya Kancheli
Giya Kancheli wurde am 10. August 1935 in der georgischen Hauptstadt Tbilissi geboren. An der Musikschule seiner Vaterstadt erhielt er den ersten Klavierunterricht. Später studierte er am Konservatorium Tbilissi von 1959 bis 1963 bei I. I. Tuskija Komposition. Nach seinem Examen war er - ein Wagnis in der damaligen Sowjetunion - als freischaffender Komponist tätig. In diese Zeit fällt auch die Zusammenarbeit mit dem Regisseur Robert Sturua, die Beschäftigung mit Filmmusik und mit musikdramatischen Werken. Von 1971 an war Kancheli musikalischer Leiter des Rustaweli- Theaters in Tbilissi, wo er die Bühnenmusiken für viele Aufführungen von Sturua schrieb. Nachdem Kancheli in den sechziger Jahren als Komponist der »sowjetischen Avantgarde« begonnen hatte, erarbeitete er sich seitdem zielstrebig einen eigenen musikalischen Stil, der auf einfachsten Formeln beruht, wie sie sich in der Musik der verschiedensten Epochen finden lassen: vom archaischen Volkslied bis zu Elementen moderner Unterhaltungsmusik. Aus diesen Formeln entwickelt er jedes neue Werk außerhalb vorgegebener Schemata, wobei sein Schaffensprozeß davon bestimmt ist, musikalische Materie wie einen lebenden Organismus entstehen zu lassen. Paradoxerweise existieren Modernität und Archaik, das mit zahlreichen Assoziationen belegte Bekannte und ganz neu Erschaffenes in seiner Musik nebeneinander. Im Zentrum von Kanchelis Schaffen stehen sieben Sinfonien (1967 bis 1986) und die Oper »Musik für die Lebenden«, die der Komponist zusammen mit Robert Sturua schuf und deren Uraufführung am 28. April 1984 am Paliaschwili-Theater in Tbilissi stattfand.
Giya Kancheli verließ im Jahr 1991 seine Heimat und lebt seither in Westeuropa. Er ließ sich mit seiner Familie zunächst in Berlin nieder, wo er ein Stipendium des DAAD erhielt. 1995 wurde er Composer- in-residence bei der Königlichen Flämischen Philharmonie in Antwerpen. Seit 1996 lebt er dort freischaffend.