Werke von SOFIA GUBAIDULINA bei den Aspekten 2010
De Profundis (1978)
Sonnengesang (1997) für Violoncello, Kammerchor und Schlagwerk
Der Seiltänzer (1993) für Violine und Klavier
Zehn Präludien für Violoncello solo (1974)
Silenzio (1991)
Hommage à T. S. Eliot (1987/1991)
De Profundis (1978)
Sonnengesang (1997) für Violoncello, Kammerchor und Schlagwerk
Der Seiltänzer (1993) für Violine und Klavier
Zehn Präludien für Violoncello solo (1974)
Silenzio (1991)
Hommage à T. S. Eliot (1987/1991)
Im Interview
Gottfried F. Kasparek im Gespräch mit
„Für mich gibt es in jeder guten Musik Spirituelles“
Gottfried Franz Kasparek im Gespräch mit Oswald Sallaberger
Der international renommierte österreichische Dirigent Oswald Sallaberger, Musikdirektor im französischen Rouen und mit einem breiten Repertoire erfolgreich, gilt auch als erste Adresse, wenn es um Neue Musik geht. Er leitet bei den Aspekten 2010 das Eröffnungs- und das Finalkonzert mit dem Österreichischen Ensemble für Neue Musik oenm.In den beiden Konzerten, die Du bei des Aspekten dirigierst, stehen Werke von Sofia Gubaidulina im Zentrum. Was bedeutet diese Komponistin für Dich?
Eigentlich ist es eine Neubegegnung für mich. Die Musik der Gubaidulina habe ich zuerst durch Gidon Kremer kennen gelernt, immer wieder gehört und als tiefgehend empfunden. Natürlich ist ihre Klangsprache russisch, aber nicht nur. Jede Phrase kommt aus dem Inneren. Ich freue mich sehr darauf, mit ihr zusammenzuarbeiten, in der Hommage a T. S. Eliot auch als dirigierender Geiger.
Die musikalische Sprache von Kaija Saariaho ist doch eine ganz andere, denke ich? Verbindet die beiden Komponistinnen das Spirituelle?
Es ist schön, dass so viele Komponistinnen am Programm stehen. Gubaidulina und Saariaho sind sehr unterschiedlich. Die Finnin kommt doch sehr stark von Sibelius, aber auch vom französischen Impressionismus. Wesentlich ist ihre ganz neue Verbindung mit der Tradition. Für mich gibt es in jeder guten Musik Spirituelles. Immer geht es auch um das Geistige und darum, dass dem einzelnen Menschen durch Musik die eigene Kreativität bewusst wird. Und auch darum, dass Musik interpretiert wird. Ich jedenfalls habe große Lust, diese Stücke nicht nur zu exekutieren, sondern auch zu interpretieren.
Dazu kommen Uraufführungen. Ich erinnere mich, Dich noch als Geiger mit Andor Losonczy als Pianisten erlebt zu haben. Auch Michael Mautner und Alexandra Karastoyanova sind ja keine Unbekannten für Dich?
Losonczy ist ein ganz Besonderer, dessen Wert erst jetzt wirklich erkannt wird. Ich habe viele seiner Werke gespielt oder dirigiert. Es ist spannend, wie diesmal das Ensemble das Echo des Klaviers ist. Mit Michael Mautner verbinden mich 25 Jahre Zusammenarbeit, es hat damit begonnen, dass er für mich Kadenzen zum Brahms-Violinkonzert geschrieben hat. Ich durfte so manche seiner Stücke aus der Taufe heben. Sein neues Werk ist einfach gute Musik. In der Müllner Kirche werden das sicher ganz besondere Augenblicke sein, der Raum, die Sphären spielen da mit. Alexandra Karastoyanovas Stück ist sehr avanciert und sehr schwierig, aber in einer zeitlosen Form geschrieben. Die Abschnitte fließen ineinander, bis hin zum elegischen Finale.
In unseren Gegenden kennt man den Dirigenten Sallaberger hauptsächlich als Interpreten Neuer Musik. Als Musikdirektor in Rouen feierst Du Erfolge zum Beispiel auch mit Mozart und Wagner. Sind das verschiedene Sphären – oder gibt es auch starke Verbindungen?
Ich bin kein Spezialist für eine bestimmte Zeit oder Stilistik, ich bin ein Spezialist für Musik. Ich habe die Chance gehabt, vom Barock bis zur Gegenwart viele große Werke aufzuführen – und natürlich fragt man mich gerne für Programme, die alt und neu verbinden. Es gibt aber eigentlich weder alte noch neue, sondern nur gute und schlechte Musik und für die gute muss man sich einsetzen. Wichtig ist mir, immer Emotionen zu vermitteln.
Wie ist die Situation der Neuen Musik in Frankreich, auch im Gegensatz zu Österreich?
Da gibt es keine so großen Unterschiede. Es gibt verschiedne Versionen, die im Grunde das Gleiche ergeben. In beiden Ländern und auf der ganzen Welt ist es wichtig, dass sich Menschen der neuen Musik annehmen. Ich möchte übrigens Ludwig Nussbichler und seinem Aspekte-Team ein ganz großes Kompliment machen. Das ist ein sehr gutes, offen gestaltetes Programm, nicht nur für enge Neue-Musik-Kreise. Die Qualität stimmt – da hat sich in Salzburg in letzter Zeit viel verändert, durch Leute wie Markus Hinterhäuser oder durch die Öffnung der Mozartwoche und die Dialoge, auch durch die Biennale im Vorjahr. Alles ist viel weltoffener geworden.
Gibt es Deiner Meinung nach einen oder unterschiedliche Wege, in unserer Zeit so genannte seriöse Musik zu schreiben?
Es gibt keine Schulen mehr, es gibt Referenzen, es gibt inspirierende Begegnungen. Also viele Wege. Musik beschreibt mehr als tausend Worte und ist unsichtbar. Musik zu hören kann helfen, die eigene Stimme zu finden. Wenn Musik erklingt, entsteht Magie und viel mehr Tore öffnen sich, als einem bewusst wird – ja als den Komponisten selber bewusst wurde. Musik ist natürlich mit der Zeit verbunden. Das 20.Jahrhundert war teilweise so grässlich, dass auch die Musik das ausdrücken musste. Musik hat auch geblutet – man braucht nur daran denken, wie sie vom Faschismus oder Stalinismus missbraucht wurde. Auch das muss man den Menschen sagen.
Du machst auch viele Jugendprojekte. Was ist das Wesentliche an Jugendarbeit im Bereich Musik und Musiktheater?
Mein Talent ist nicht dazu da, sich selbst zu bespiegeln, sondern um im Dienst der Musik zu stehen. Wichtig ist, dass man sich bemüht, die großen Botschaften zu vermitteln, die von Liebe und Frieden künden, wie Beethovens Neunte. Musik ist keine elitäre Sache, darum mache ich in Rouen Patenschaften mit Schulen in sozial schwierigen Vierteln und setze die Kinder zwischen die Instrumente. Wir müssen Musik unbedingt weitergeben, in einer Zeit, in der die Orchester um ihre Existenz ringen und die Finanzkrisen die Kultur bedrohen.
Was sind Deine musikalischen Wünsche für die Zukunft?
Ich höre im Juni mit meiner fixen Verpflichtung in Rouen auf, bleibe aber dem Orchester als Gründungsdirigent erhalten, für CD-Aufnahmen, Opern wie „Jenufa“ oder „Fidelio“, die Missa solemnis, Tourneen und Projekte wie eines über Beethoven, den ich sehr verehre, auch im Hinblick auf die Verbindung zur Moderne. Ich werde mehr als freier Dirigent unterwegs sein, demnächst zum Beispiel beim Orchestre National de Lyon und beim Ensemble Modern. Ja, viele spannende Projekte und der ständige Einsatz für die Musik, mit Respekt und Lust auf das Neue, das wünsche ich mir weiterhin.
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„… die Frische und Direktheit des spontanen Einfalls festzuhalten.“
Gottfried F.Kasparek im Gespräch mit Friedrich Cerha
Wann sind die 8 Bagatellen für Klavier und Klarinette entstanden?
Nach einer Aufführung meiner „Slowakischen Erinnerungen aus der Kindheit“ für Klavier 2009 wurde ich gefragt, ob es nicht auch kleine Solo-Stücke für andere Instrumente gebe und ich habe mich meiner sieben Anekdoten für Flöte und Klavier und fünf kleiner Stücke für Klarinette und Klavier erinnert, die beide 1964 entstanden sind. Ich habe sie mir daraufhin angesehen und war nicht sonderlich von ihnen angetan. Sie haben mich aber angeregt, diese Musik weiterzudenken und ich habe dann in relativ kurzer Zeit sieben neue Anekdoten für Flöte und die acht Bagatellen für Klarinette und Klavier geschrieben.
"Bagatelle" ist ein Titel, den man zum Beispiel von romantischer Klaviermusik kennt. Was bedeutet er für Sie bzw. für dieses Werk?
Die Titel Anekdoten und Bagatellen sind ein Hinweis auf die Knappheit der Form. Kleinräumiges Denken beschäftigt mich nun schon geraume Zeit, weil es mir immer wichtiger wird, die Frische und Direktheit des spontanen Einfalls festzuhalten. Je knapper die Einzelform ist, umso dringlicher wird die Frage nach der Reihung, der Dramaturgie der Aufeinanderfolge – ein Problem, vor das sich schon Webern gestellt sah.
Gibt es bei den 8 Bagatellen Bezeichnungen für die die einzelnen Stücke?
Die Titel bezeichnen den in der Musik vorherrschenden Gestus: 1. Schwerblütig, 2. Hektisch, 3. Sehr frei, 4. Heiter, 5. Ungestüm, 6. Klezmeriana, 7. Wütend und 8. Abgesang.
Klezmeriana nimmt aber Bezug auf eine ganz bestimmte Musiktradition?
Als ich die Klarinetten-Bagatellen im Kopf mit mir herumtrug, habe ich mich mit Klezmer-Musik beschäftigt, und mit der kurzen Geschichte dieser Musik. Die Melodik war mir vertraut, weil ich in den 50er Jahren slawische Volksmusik aufmerksam studiert habe und sie hat mich sicherlich im dritten Stück für Klarinette solo und im sechsten, das „Klezmeriana“ übertitelt ist, beeinflusst. Zur vierten, fünften und siebten Bagatelle haben mir die Stücke von 1964 den Anstoß gegeben.
In den letzten Jahren haben Sie eine Reihe von Stücken für Klarinette komponiert, ich denke da an das Quintett oder an das Klarinettenkonzert. Gibt es eine besondere Beziehung zu diesem Instrument?
Natürlich hatte ich beim Schreiben den edlen Klarinetten -Ton von Andreas Schablas im Hinterkopf, der mein Klarinettentrio wie auch das Klarinettenquintett so schön gespielt und mein Klarinettenkonzert 2009 uraufgeführt hat.
Was ist das nächste neue Stück v on Ihnen?
Derzeit schreibe ich ein Orchesterstück. Es ist ein Auftragswerk für den Dirigenten Riccardo Chailly und das Gewandhausorchester Leipzig.
Dann freuen wir uns auf die Uraufführung bei des Aspekten und auf viele neue Stücke von Friedrich Cerha!
- 8 Bagatellen für Klavier und Klarinette (UA) - Konzert 3 am 27. Mai in der ARGEkultur Salzburg
„Eine wichtige Kategorie ist die Schönheit“
Gottfried F. Kasparek im Gespräch mit Thomas Heinisch
Herr Heinisch, wie kam es zur Auftragskomposition für die Aspekte?
Ludwig Nussbichler bat mich um ein Kammermusikwerk für die Aspekte Salzburg. Ich dachte zunächst an ein Streichquartett, als ich aber erfuhr, dass die Pianistin und Freundin Janna Polyzoides und der Cellist Martin Hornstein bei dem Konzert mitwirken, habe ich spontan entschieden, ein Stück für die beiden zu schreiben, war ich doch beiden schon seit langem im Wort deswegen. Im Herbst 2009 erfuhr ich durch Janna vom plötzlichen Tod Martin Hornsteins. Janna hat mich gebeten, das Stück trotzdem in dieser Besetzung für Violoncello und Klavier zu schreiben. Das Stück ist aufgrund Martins Tod völlig anders ausgefallen als ursprünglich geplant, denn zunächst dachte ich an ein virtuoses, fast tanzartiges Stück. Der Tod verändert alles: dem Tod kann man künstlerisch nicht wirklich begegnen.
Dennoch wurde es ein Stück in memoriam Martin Hornstein?
Martin hat einmal gesagt: „In jedem „Es ist“ liegt eine destruktive Kraft“, nein, es ist nicht, sondern es entsteht, es entfaltet und entwickelt sich, schließt sich auf und vergeht. Festhalten können wir es nicht. ... Das Verklingen gehört zur Musik, wie das Sterben zum Leben. Ist es nicht eine unglaubliche Gnade, dass es mit dem letzten Ton vorbei ist?“ Für mich wurde klar, dass es ein sehr leises Stück werden muss, etwas, das über das Vergehen von Zeit erzählt.
Welche Form haben Sie dafür gewählt?
Das Stück hat zwei Schichten: zum einen das Klavier, das eine Art Passacaglia, also eine Folge von – in diesem Fall – 10 Akkorden spielt, die vom höchsten Klangregister zum tiefsten wandert, zum anderen das Violoncello, das das Stück mit leisen Flageolett-Klängen eröffnet und dann eine Melodie im Klangschatten des Klaviers bildet. Das stete Abwärtsschreiten des Klaviers hat etwas Unerbittliches, wie eine Uhr, die gnadenlos ihrem Ende entgegen schreitet, es ist wie ein Zeremoniell, dennoch sind die Klänge zart, sehr fein.
Das Stück trägt den Titel „Aura“, also die Aura des Todes?
Das Schmerzvolle am Tod ist der Umstand des Verschwindens: der Verstorbene ist nicht mehr da. Und doch, in irgendeiner Weise ist die Aura des Verstorbenen weiter vorhanden. Das meine ich gar nicht im religiösen Sinn. Die Thematik hängt auch zusammen mit Stücken, die ich jetzt geschrieben habe oder die noch im Entstehen sind. So habe ich für die Kontrapunkte das Ensemblestück „Charons Bild“ komponiert, nach einem Text von Heiner Müller. Charon, der Fährmann in die Unterwelt, ist bei Müller auch Maler, der das Verschwinden malt, „der Maler malt das Vergessen. Am anderen Ufer steigt niemand aus.“ Das ist doch eine sehr schöne Metapher für das Sterben.
Was sind Ihre nächsten Kompositionspläne?
Als nächstes Werk kommt „Wanderers Schatten“, dem Andenken Luigi Nonos gewidmet, auch für die Kontrapunkte, und ein Violakonzert für Wien modern, für mein Ensemble Reconsil und Julia Purgina, eine hervorragende Bratschistin und auch Komponistin.
Wie würden Sie Ihre Stilistik beschreiben, was ist Ihr künstlerisches Credo?
Wir leben heute in einer Zeit ohne stilistische oder inhaltliche Dogmen: das bietet enorme Möglichkeiten: wie zu allen Zeiten des Umbruchs kann man sich wieder stilistisch öffnen, man kann sich auf Tradition beziehen, aber nicht restaurativ, sondern die Idee der Moderne dabei nicht außer Acht lassend. Ich finde das Aufeinenderprallen gegensätzlicher Welten sehr spannend. Für mich ist allerdings bei allen Gegensätzlichkeiten der Aspekt der Schönheit in der Musik etwas sehr Wesentliches. Ich bin da fast ein wenig wertkonservativ: ich bin ein Verfechter des Kunstwerks und somit auch der durchkomponierten Form.
Gibt es Wünsche für die Zukunft?
Erstens, denke ich, wäre es schön, wenn die Kompositionen, die geschrieben werden auch wieder aufgeführt werden. Der Betrieb giert ja ausschließlich nach Uraufführungen, fast nichts wird wieder gespielt. Zweitens ist zu bemerken, dass der Umgang mit dem Schöpferischen im Betrieb wenig Wertschätzung entgegengebracht wird, anders ist es nicht zu erklären, dass Institutionen wie zum Beispiel der Musikverein sogenannte „Aufträge“ an Komponisten vergeben, ohne dafür etwas zu zahlen. Das ist zum Glück bei den Aspekten anders ...
- Aura. Stille Musik für Violoncello und Klavier (2010, UA, Auftragswerk der Aspekte Salzburg) - Konzert 3 am 27. Mai in der ARGEkultur Salzburg
Gottfried F. Kasparek im Gespräch mit Alexandra Karastoyanova-Hermentin
Die 1968 geborene österreichische Komponistin und Pianistin, russisch-bulgarischer Abstammung, lebt in Wien. Zum dritten Mal hat die in Europa und Amerika erfolgreiche Künstlerin 2010 das Österreichische Staatstipendium erhalten und will es zur Komposition einer Symphonie nützen. Bei den Aspekten 2010 gelangen das Auftragswerk „La Follia“ und das Ensemblestück „Galechri“ zur Aufführung. Was ist wichtig beim Komponieren?Ich arbeite mit bestimmten Formeln und Segmenten, die starken thematischen Charakter haben. Ihre Entwicklung ist für mich nicht primär, sondern eine Folge des Kompositionsprozesses. Ich möchte mich nicht mit Mozart vergleichen, aber seine Technik der kontinuierlichen Weiterentwicklung ist sicher ein Anhaltspunkt auch für mich. Eine große Bedeutung haben für mich Allusionen, bestimmte Genres der Musik, Andeutungen an andere, vergangene Stilistiken. Das kann, wie in „La Follia“, Barockes sein, aber ich zitiere nicht, sondern verwandle.
Also hat die Form eine große Bedeutung, auch in den Werken der letzten Jahre?
Die Form ist die logische Fortsetzung des thematischen Materials. Ich schreibe immer noch oft blockartig, in einer Kettenstruktur, die Musik fließt ineinander. Nicht abschnittweise, sondern gleichsam in sich kreisend, wie bei Ravel in „La Valse“. Das kann eine Bogenform sein, auch vertikale Strukturen spielen bei mir eine Rolle. In den letzten Jahren hatte mein Violinkonzert „Mahagony“ großen Erfolg, es wurde in der New Yorker Carnegie Hall uraufgeführt. Wichtige Stücke waren auch „Galechri“ für 9 Instrumente und das sehr emotionale Stück „Kastenaa“ für Violine und Cello, ebenfalls für New York.
„Galechri“ wird in Salzburg gespielt. Ist das ein griechischer Name?
Nein, das hat mit meinem Mann Günther, mir selber und meinem Sohn Christoph zu tun. Aber es ist nicht meine „Sinfonia domestica“! Es ist ein diffiziles Ensemblestück, anspruchsvoll, lebendig, sehr vital. Viele meiner Stücke empfinde ich als Stufen meiner Entwicklung, so auch dieses.
„La Follia“ ist eine alte, ursprünglich iberische Form, ein Satzmodell und ein Tanz, der in der Musik der Renaissance und des Barock eine große Rolle spielt. Also eine typische Allusion?
Ja, das ist es. Ich war schon mitten in der Komposition des Klaviertrios für die Aspekte, da habe ich zufällig wieder einmal die Corelli-Variationen des von mir sehr geschätzten Rachmaninov gehört. Das sind Variationen über eben dieses Follia-Thema. Wichtig für meinen Entschluss war auch die ebenfalls das Thema verarbeitende Triosonate von Vivaldi. Letztere ist ein nicht zu übertreffendes Feuerwerk, meine Arbeit geht natürlich andere formale Wege. Virtuosität steht dabei durchaus im Vordergrund, und zwar solche, die man auch als Laie hören kann. Mein Stück besteht nicht aus aneinander gereihten Variationen, sondern ist Musik aufgrund einzelner Variations-Abschnitte, die sich vermischen. Es gibt in diesem Stück sehr wohl die Bezugnahme auf Tonarten, es gibt Jazzelemente und eine stilistische Entwicklung. Das „La Follia“-Thema wird nicht am Beginn zitiert, wie in der Klassik und Romantik üblich, nein, es wird erkennbar erst gegen Ende des dritten Teil, der wie der erste langsam ist, während das Tempo im Mittelteil beschleunigt. Es sind Teile, keine Sätze, sie gehen meist attacca ineinander über. Ein Schritt nach vorne, oder eine Stufe.
Werke von Alexandra Karastoyanova-Hermentin beim Aspekte Festival:
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- La Follia für Violine, Violoncello und Klavier (2010, UA, Auftragswerk der Aspekte Salzburg) - Konzert 2 am 27. Mai in der ARGEkultur
- Galechri (2007) für Ensemble - Konzert 7 am 29. Mai im Großen Saal der Stiftung Mozarteum
Gottfried F. Kasparek im Gespräch mit Andor Losonczy
Andor Losonczy (geb. 1932), gebürtiger Ungar und seit vielen Jahrzehnten in Salzburg daheim, wo er 2005 den Großen Kunstpreis erhalten hat, ist einer der großen Stillen im Lande. Sein Oeuvre wächst und wächst und verbindet Expression mit Klangsinn. Über sein neues „Concerto für Klavier und Ensemble“, welches am 29. Mai im Großen Saal des Mozarteums mit dem oenm unter der Leitung von Oswald Sallaberger mit dem Komponisten als Solisten uraufgeführt wird, sagt Losonczy:Nicht dass die Form fehlen würde, aber die Form beschreibt nichts. Virtuosität macht Spaß und so steht natürlich das Klavier im Mittelpunkt. Am Ende gibt es eine relativ lange Kadenz. Das Ensemble besteht aus Bläsern und Schlagwerk, es begleitet aber nicht nur, es ist ein ständiges Miteinander. Mehr will ich dazu gar nicht sagen, denn Musik muss man einfach hören.
Wenn ich Ihre Musik höre, habe ich den Eindruck einer ganz tiefen Expressivität. Gibt es Vorbilder für Sie?
Vorbilder sind einfach alle Großen der Vergangenheit.
Ihre Musik ist ein ganz eigener Kosmos.
Das kann man nicht wirklich beschreiben, aber ich finde es sehr schön, dass Sie das so empfinden. Ich selber würde es nicht sagen. Vielleicht kommt das davon, dass ich schreibe, was ich will, und nicht, was andere Leute mir vorschreiben wollen. Das war schon immer so.
Ihr Vater war ebenfalls Komponist, Sie sind also mit Musik aufgewachsen?
Ja, mein Vater hat viel komponiert, aber alles ist in Budapester Archiven verschollen. Es gab sogar eine Operette von ihm und mein leider schon verstorbener Bruder war ein sehr guter Barpianist. Ich bin einmal für ihn eingesprungen, aber das war nicht meine Sache.
Sie sind ja nicht nur Komponist, sondern auch ein vielseitiger, virtuoser Pianist.
Ich hatte fünfzehn Klavierlehrer in Budapest. Ein bedeutender darunter war Pál Kadosa, der war auch der Lehrer von György Kurtág und von András Schiff. Später wollte man mich nach Moskau schicken, aber die russische Schule liegt mir nicht so. Ich habe gesagt, mir gefallen die Gebäude in Moskau nicht und bin lieber nach Salzburg.
Ihre Bescheidenheit in Ehren, sie haben unter anderem in ihrer Heimat den Franz-Liszt-Preis und 1960 in Deutschland den Kranichsteiner Musikpreis erhalten, waren ab 1960 Dozent am Mozarteum und von 1986 bis 1998 ebendort Professor. Und bei den Aspekten sind Sie von Anfang an mit dabei.
Klaus Ager sagt immer, ohne mich wären die Aspekte gar nicht möglich gewesen. In den ersten Jahren war ich nämlich der einzige Pianist in Salzburg, der Neue Musik spielen konnte. Heute ist das natürlich ganz anders.
Trotzdem freuen wir uns sehr, dass Sie ihr Stück selbst zur Uraufführung bringen!
- Concerto für Klavier und Ensemble - Konzert 7 am 29. Mai im Großen Saal der Stiftung Mozarteum